„Ivy – Steinerne Wächter“ von Sarah Beth Durst

Princeton, die alte Uni ihres Großvaters, ist auch Lilys großer Traum und so freut sie sich riesig, als er sie und ihre Mutter mit auf ein Ehemaligen-Treffen nimmt. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass sie vor eine Aufgabe gestellt wird, die ihr bei Erfüllung innerhalb von 48 Stunden die Aufnahme in die Bruderschaft ihres Großvaters und somit gleichzeitig einen Studienplatz garantierten würde.
Also macht sich Lily auf die Suche nach dem „Ivy Key“ – eine Jagd, die sie quer über den Campus führt und bei der sie neben dem mysteriösen Tye auch den netten Jake kennenlernt, dessen Großvater der Vorsitzende der geheimnisvollen Bruderschaft ist.
Dann macht Lily allerdings ein paar merkwürdige Entdeckungen – sprechende Gargoyles, Bücher über magische Geschöpfe und nicht zuletzt ein Tor in eine andere, magische Welt voll wunderbarer Wesen, die ihre eigene Vergangenheit und die Erkrankung ihrer Mutter in ganz neuem Licht erscheinen lassen.
Aber nicht alle sind glücklich darüber, dass Lily der Lösung des Rätsels auf die Spur kommt. Und nicht jeder ist wirklich so, wie er zu sein scheint…

„Ivy – Steinerne Wächter“ ist nach „Ice – Hüter des Nordens“ der zweite Fantasy-Roman im All-Age-Bereich von Sarah Beth Durst (Egmont Lyx). Dieses Mal gelingt es ihr viel besser, die märchenhaften Ansätze mit der Vielzahl an magischen Wesen zu einer spannenden, sehr flüssig zu lesenden Geschichte zu verweben, die Lust auf jede neue Seite mit weiteren kreativen Einfällen macht.

Die Idee, die Geschichte in einem sehr begrenzten Zeitfenster auf einem räumlich abgeschlossenen Uni-Campus spielen zu lassen, der den Übergang zur anderen Seite beherbergt, und eine Art Schnitzeljagd mit „Wer war der Verräter“-Elementen zu integrieren, sorgt für ordentlich rasante Spannung. Einige Wendungen sind vielleicht vorhersehbar, andere jedoch überraschend. Die eingebaute Liebesgeschichte bleibt bis zuletzt ein wenig spannend und steht überhaupt nicht im Vordergrund.

Und da wäre er auch schon, der eine größere Kritikpunkt – die Charaktere stehen definitiv im Hintergrund, während die magische Welt, ihre Bewohner und das ganze Drumherum die eigentlichen Stars des Buches sind. So bleiben Lily, Tye und Co. ein wenig blass und kommen in der kurzen Zeit entwicklungsmäßig den Ereignissen einfach nicht hinterher.

Fazit: Märchenhafte All-Age-Fantasy, die spannend und mit viel Tempo erzählt ist. Die wunderbare Fülle an Ideen und die noch sehr ausbaufähigen Charaktere bieten genügend Potential für eine wünschenswerte Fortsetzung – und wecken den Wunsch, an dieser Uni auch mal studieren zu dürfen…

Bewertung: Wunderbare 12/15 Punkten!!!

Verlag: Egmont Lyx
ISBN: 978-3802586033

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„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis

Ein paar Kupferrohre und vielleicht den schönen alten Marmor-Kamin – mehr möchte Kleingangster Jezza gar nicht aus dem alten Haus rausholen, um sich seinen Lebensunterhalt zu „verdienen“.
Die märchenhaften Bücher, die er und seine Kumpel dort finden, sorgen allerdings dafür, dass eine grausame, sehr zielorientierte Macht entfesselt wird und Anspruch auf seinen Thron samt passendem Hofstaat erhebt.
Ehe sich die Bewohner der englischen Kleinstadt der Gefahr bewusst werden, verbreitet sich die Botschaft des Buches wie ein Virus durch die Bevölkerung und macht sie zu willenlosen Geschöpfen unter der Knute des neuen Ismus Jezza, dem Magus am Hofe Mooncaster.
Während der Lehrer Martin Baxter langsam hinter die grauenhaften Geschehnisse blickt, bereitet Jezza alles für die Ankunft des Prinzen der Dämmerung vor – und lässt das Geschöpf Mauger die wenigen Abtrünnigen finden, die sich der Macht der Bücher widersetzen…

„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis (script 5) ist der Auftaktband einer dunklen, irgendwie trostlosen und bitterbösen Trilogie, die einige Seitenhiebe auf moderne gesellschaftliche Entwicklungen einbindet. Und in der … Trommelwirbel! … bisher keinerlei Teenie-Lovestory vorkommt.
In diesem ersten Band stellt Robin Jarvis aus wechselnden Perspektiven die bedeutenden Personen des Buches vor. Man sollte sich nichts vormachen – von Martin abgesehen gibt es nicht grad viele Sympathie-Träger und Jarvis hat auch kein Problem damit, klischeehafte Vorannahmen des Lesers wie Seifenblasen platzen zu lassen (man könnte auch sagen, dass er den niedlichen Igel auf der Landstraße bewusst überfährt) und unerwartete Handlungsstränge zu entwickeln. Das ist kein eingängiger, aber mal kreativer Ansatz, der es in diesem ersten Band wohl erschwert, sich mit den vorgestellten Personen zu identifizieren und mitzufühlen.

Die Geschichte an sich ist sehr spannend, ist flüssig und flott geschrieben und hält sich nicht mit ellenlangen Einführungen auf, sondern wird über die kurze Zeit von einer Woche erzählt, in der die magischen Worte den Menschen eine Gehirnwäsche epischen Ausmaßes verpassen. Eingestreut werden dabei die individuellen Geschichten des magischen Buches „Dancing Jax“ für die bedeutsamen Mitglieder des zukünftigen Hofstaates. Und selbst diese sind zwar märchenhaft, aber blutig und unglaublich böse.

Fazit: Wer mal was anderes lesen möchte und ohne Liebesschwüre und Superhelden auskommt, ist mit dieser wirklich düsteren  Trilogie voll schwarzer Magie, bei der bisher am Ende des Tunnels das Licht ganz ausgeht, richtig gut unterwegs.

Bewertung: Beeindruckte 12/15 Punkten!!!

Verlag: script 5
ISBN: 978-3-8390-0134-9

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„Aoife“ von Anja Ollmert

Marketing-Profi Aoife hat nach dem Tod ihres Verlobten nie wieder ihr Herz verschenkt und lebt still für sich in ihrem kleinen Cottage und frönt ihrer Liebe zu Büchern.
An Samhain vergräbt sie sich in ein Buch über den Held Cúchulainn und seine sagenhaften Abenteuer am Hofe des Königs und schläft darüber ein. Als sie aufwacht, sitzt sie dem Helden ihres Buches leibhaftig gegenüber – das Buch hat sie in längst vergangene Zeiten entführt. Cúchulainn erklärt sich bereit Aoife zu beschützen und nimmt sie mit an den Hof des Königs, wo nicht jeder die wunderschöne Frau mit offenen Armen empfängt.
Aoifes beste Freundin Cathy und ihr Mann Ian sind seit Aoifes Verschwinden voller Sorge und nehmen das Schlimmste an…

Anja Ollmerts Zeitreise-Roman „Aoife“ (Ihwa gesprochen) ist ein ganz ruhiges Buch, das leider ohne große Höhen und Tiefen auskommt, jedoch in einem angenehm zu lesenden, flüssigen Stil geschrieben wurde – wenn man sich denn an die wirklich komplizierten Namen gewöhnt hat.
Die wirklich gelungenen Sagen rund um den irischen Held Cúchulainn (Kulinn), die Aoife zu Beginn liest, geben sprachlich auch den Stil für die eigenen Erlebnisse der Protagonistin nach ihrem Zeitsprung vor: Märchenhaft, eher umschreibend als klar formuliert, klare charakterliche Zuschreibungen bei den handelnden Personen mit geringem Entwicklungs-Spielraum und Gefühle entstehen ebenfalls sehr spontan. Da fehlt ein wenig die emotionale Spannung, die mitfiebern lässt und auch die Erlebnisse im alten Irland bergen kaum Überraschungen.

Besonders ist die Idee, nach dem Zeitsprung von Aoife immer wieder den Blick auf ihre Freunde zu werfen und auch ihrem Erleben einen größeren Raum zu geben. Hier gibt es keine Zeitschleife, die an den Ausgangspunkt zurückführt, sondern beide Seiten leben und erleben parallel, was auch wichtig für die Handlung wird.
Sehr aufgesetzt und nach Textverlängerung wirkt die detailreiche Erzählung über das Leben des jungen Mannes aus Nazareth – nichts gegen Jesus, aber das passt irgendwie in dem Umfang nicht rein.

Fazit: Zeitreise-Roman, der sprachlich im Stil der Sagen und Legenden verhaftet ist, ein bisschen zu ruhig vor sich hin plätschert und daher nicht so zu fesseln vermag. Schön ist, dass er nach dem Zeitsprung der Protagonistin auf zwei Ebenen spielt und aufzeigt, welche Konsequenzen das plötzliche Verschwinden einer wichtigen Person hat.

Bewertung: Etwas behäbige 8/15 Punkten!!!

Verlag: AAVAA Verlag
ISBN: 978-3862549856

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„Ritter Namenlos – Ein Märchen“ von Thomas Wewers

Ritter Namenlos macht sich samt seiner dicken, schweren Rüstung auf, den Schatz im Land der Kobolde und Hexen zu finden, den bisher noch niemand finden konnte.
Ihm stehen einige Prüfungen bevor, denen er recht hilflos gegenüber steht und die verhindern, dass er seinen weg weiter gehen kann.
Allerdings begegnen ihm auf seinem Weg auch ganz viele Menschen mit sonderbaren und fremden Verhaltensweisen, die jedoch einen eigenen Weg gefunden haben, durch die Welt zu gehen und Hindernisse zu überwinden…

Die Kurzgeschichte „Ritter Namenlos“ von Thomas Wefers ist ein modernes Märchen, das sich mit dem Leben und Erleben von Menschen mit geistigen Behinderungen auseinandersetzt.
Wefers lässt dafür den Ritter auf Schatzsuche gehen und ihn dabei mit verschiedenen Menschen in Berührung kommen, die allesamt eine besondere Art und Weise haben mit ihrer Umwelt zu kommunizieren und sie sich dadurch zu erschließen. Spannend ist dabei, wie die Annährung des Ritters zu den Personen vor sich geht und welche Lernprozesse beim Ritter ablaufen, damit er seinen Weg gehen kann und ans Ziel gelangt.
Und genau da liegt die Weisheit und die Magie dieser Geschichte: Was ist das Ziel, was macht reich und wo liegen wirklich die Schätze?
Sprachlich gibt es noch ein paar kleinere Hürden zu nehmen, jedoch schmälern sie nicht den Genuss und die Botschaft der Kurzgeschichte.

Fazit: Bizarre und dennoch (oder gerade deshalb?) berührende Auseinandersetzung mit dem Thema geistige Behinderung. Diese Kurzgeschichte eröffnet auf märchenhafte Weise einen anderen Zugang zu dieser oft befremdlich anmutenden Welt.

Bewertung: Faszinierte 10/15 Punkten!!!

Verlag: BookRix GmbH & Co. KG
ASIN: B0088NQGOU

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