Elaine ist „Försterin“, eine Schmugglerin, die in der pilzverseuchten „Welt aus Staub“ nach lebendigen Ware sucht – Pflanzen, die auch in kürzester Zeit an den Sporen zu Grunde gehen werden, aber in einer Welt voller Plastikblumen ein hohes Gut darstellen.
Sam hat es endlich geschafft: Er ist zum leitenden Ingenieur bei Food Corp. aufgestiegen, der einzigen Firma, die noch die streng rationierten Lebensmittel herstellt. Nun gehört er in die Oberstadt und darf die unterirdischen Plantagen entwickeln und ist voller Hoffnung, endlich einen Weg zu finden, Pflanzen wieder überlebensfähig zu machen. Die Freude darüber wird durch den Selbstmord seines besten Freundes jäh zu Nichte gemacht.
Tessa arbeitet als Prostituierte in der Unterstadt und wird Zeugin, wie ihr letzter Kunde ermordet wird und nun soll auch sie sterben. Auf der Flucht trifft sie Elaine, die sie mehr als einmal vor den Verfolgern schützt. Und auch Sam ist in einem Geheimnis auf der Spur, bei dem es um viel mehr als nur sein eigenes Leben geht…
„Welt aus Staub“ von Stephan R. Bellem (Ueberreuter) beginnt mit sehr detailreichen Beschreibungen der Lebenswelt nach der Katastrophe – die unbewohnbare, tote Wildnis und die unglaubliche Megacity „Delta-Komplex“, die die Zwangsheimat der Protagonisten ist. Teilweise sind diese Beschreibungen des Zwei-Klassen-Systems allerdings so ausführlich, dass sie den Schwung aus der Geschichte nehmen. Generell arbeitet sich Stephan R. Bellem bis zur Hälfte des Buches eher gemächlich durch den Aufbau der Charaktere und bietet immer mal wieder einen Hinweis auf den Fortgang der Geschichte an – manche davon allerdings mehr als offensichtlich. Dabei bleiben sich die Personen jedoch charakterlich selber treu und glaubwürdig in ihrer Entwicklung und die Geschichte driftet nicht ab. Schade ist, dass sich Bellem nicht getraut hat, diesen guten deutschen Dystopie-Roman auch mit deutschen Personen spielen zu lassen – er hätte es durchaus verdient gehabt.
Ab der zweiten Hälfte kommt dieser Öko-Thriller dann doch in Fahrt und führt auf einer rasanten Jagd bis zu einem Show-Down, der sich zwar vorher abzeichnet, aber dennoch spannend ist.
Fazit: Ein dystopischer Öko-Thriller ohne wahnsinnig große Überraschungen, dafür aber mit einer glaubhaften Grundgeschichte, nach der man gerne mal eben die Pflanzen düngen geht.
Bewertung: Solide 10/15 Punkten
Verlag: Ueberreuter
ISBN: 978-3800095537