„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis

Ein paar Kupferrohre und vielleicht den schönen alten Marmor-Kamin – mehr möchte Kleingangster Jezza gar nicht aus dem alten Haus rausholen, um sich seinen Lebensunterhalt zu „verdienen“.
Die märchenhaften Bücher, die er und seine Kumpel dort finden, sorgen allerdings dafür, dass eine grausame, sehr zielorientierte Macht entfesselt wird und Anspruch auf seinen Thron samt passendem Hofstaat erhebt.
Ehe sich die Bewohner der englischen Kleinstadt der Gefahr bewusst werden, verbreitet sich die Botschaft des Buches wie ein Virus durch die Bevölkerung und macht sie zu willenlosen Geschöpfen unter der Knute des neuen Ismus Jezza, dem Magus am Hofe Mooncaster.
Während der Lehrer Martin Baxter langsam hinter die grauenhaften Geschehnisse blickt, bereitet Jezza alles für die Ankunft des Prinzen der Dämmerung vor – und lässt das Geschöpf Mauger die wenigen Abtrünnigen finden, die sich der Macht der Bücher widersetzen…

„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis (script 5) ist der Auftaktband einer dunklen, irgendwie trostlosen und bitterbösen Trilogie, die einige Seitenhiebe auf moderne gesellschaftliche Entwicklungen einbindet. Und in der … Trommelwirbel! … bisher keinerlei Teenie-Lovestory vorkommt.
In diesem ersten Band stellt Robin Jarvis aus wechselnden Perspektiven die bedeutenden Personen des Buches vor. Man sollte sich nichts vormachen – von Martin abgesehen gibt es nicht grad viele Sympathie-Träger und Jarvis hat auch kein Problem damit, klischeehafte Vorannahmen des Lesers wie Seifenblasen platzen zu lassen (man könnte auch sagen, dass er den niedlichen Igel auf der Landstraße bewusst überfährt) und unerwartete Handlungsstränge zu entwickeln. Das ist kein eingängiger, aber mal kreativer Ansatz, der es in diesem ersten Band wohl erschwert, sich mit den vorgestellten Personen zu identifizieren und mitzufühlen.

Die Geschichte an sich ist sehr spannend, ist flüssig und flott geschrieben und hält sich nicht mit ellenlangen Einführungen auf, sondern wird über die kurze Zeit von einer Woche erzählt, in der die magischen Worte den Menschen eine Gehirnwäsche epischen Ausmaßes verpassen. Eingestreut werden dabei die individuellen Geschichten des magischen Buches „Dancing Jax“ für die bedeutsamen Mitglieder des zukünftigen Hofstaates. Und selbst diese sind zwar märchenhaft, aber blutig und unglaublich böse.

Fazit: Wer mal was anderes lesen möchte und ohne Liebesschwüre und Superhelden auskommt, ist mit dieser wirklich düsteren  Trilogie voll schwarzer Magie, bei der bisher am Ende des Tunnels das Licht ganz ausgeht, richtig gut unterwegs.

Bewertung: Beeindruckte 12/15 Punkten!!!

Verlag: script 5
ISBN: 978-3-8390-0134-9

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„Schwarzer Mond über Soho“ von Ben Aaronovitch

Peter Grant, Police Constabler und einziger Zauberlehrling in England, hat sich, im Gegensatz zu seiner Kollegin Lesley, von seinem letzten Fall erholt und auch die Flussgötter halten sich zurück. Alles schön und gut? Denkste!
Denn neben den verzweifelten Versuchen, die Jonglage mit Feuerbällen und Apfelmus in den Griff zu bekommen, lateinische Vokabeln nicht nur mit Hilfe des Internets übersetzen zu können und seine elektrischen Geräte vor Magie zu retten, wird er schon zu zwei neuen Fällen hinzugezogen.
Die „Vagina dentata“, eine mit Zähnen bewaffnete Vagina, die der Besitzerin eben jener  verfallenen Männern den Penis abbeißt, hinterlässt wahre Schlachtfelder. Zudem kippen reihenweise Jazz-Musiker tot um und es sich angeblich nur um eine natürliche Todesursache handeln – allerdings überschreitet die magische Ausstrahlung der Umgebung die frisch erfundene Milliwuff-Magie-Skala des Neu-Zauberers erheblich.
Während er in eine heiße Affäre mit der Geliebten eines der Opfer stolpert und sein Vater ausgerechnet jetzt sein Comeback als Jazz-Musiker startet, stellt sich heraus, dass Peter wohl doch nicht der einzige Zauberlehrling ist, sondern ein „ethisch fragwürdiger Magieanwender“ („schwarze Magie“ ist politisch einfach nicht korrekt!) in London sein Unwesen treibt…

„Schwarzer Mond über Soho“ von Ben Aaronovitch (dtv) knüpft nahtlos an den ersten Band „Die Flüsse von London“ an. Dieses Mal gelingt es Ben Aaronovitch jedoch viel schneller, in die Handlung einzusteigen und somit zu fesseln. Wie auch im letzten Band gibt es zwei parallel verlaufende, sehr skurrile Kriminalfälle, die für Abwechslung sorgen und mit einigen blutigen Details aufwarten.

Gleichzeitig kehren alte Bekannte wieder, gibt es neue Informationen über die Hintergründe von Peter Grants Ausbilder Nightingale und seine Haushälterin, die aber das ganze noch geheimnisvoller machen, und es erscheint ein Bösewicht, der einiges an Potential zu bieten hat. Das alles verbindet Aaronovitch so entspannt, dass man beim Lesen nur so durch das Buch gleitet und den wahnsinnig witzigen Peter Grant liebend gerne auf seiner Reise durch berufliche und persönliche Katastrophen begleitet, während er irgendwie vom Anti-Held zum „Held der Herzen“ mit überraschenden Anflügen von Professionalität und Magie mutiert.
Vor allem lässt der Autor London im Allgemeinen sowie seine Stadtteile und Bewohner im Besonderen auf eine liebevoll-ironische bis bissige Weise so lebendig werden, dass man in die Atmosphäre eintaucht und den nächsten Trip passend zu den Büchern planen möchte.

Fazit: Die Mischung aus Krimi, Magie, skurrilen Charakteren und viel britischem Humor, bei dem man einige laute Lacher einfach nicht unterdrücken kann, macht die Reihe zu einem wahren Vergnügen – dieser zweite Band ist noch einen Ticken rasanter und fesselnder als der erste und kann, auch wenn einige persönliche Handlungsstränge durchlaufen, durchaus als Einzelband gelesen werden.

Bewertung: Immer noch grinsende 13/15 Punkten!!!

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-21380-6

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„Nox – Das Erbe der Nacht“ von Michael Borlik

Tara trägt ein großes Erbe in sich, mit dem sie seit ihrer Geburt zu kämpfen hat: Laut der Prophezeiung ihrer Großmutter soll in ihrem Blut-Mix die Macht liegen, den gefallenen Engel Lilith zu befreien und die Nachtwesen zu den Beherrschern de Erde zu machen. So weit, so schlecht – denn Freunde macht man sich damit nicht und daher ist sie mit ihren Eltern seit Kindertagen meist auf der Flucht. Als ihre eigentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannte Großmutter wieder auftaucht und ihre Eltern entführt werden, weiß Tara, dass der Moment der Entscheidung gekommen ist.
Sie wird von dem Halbdämon Sky aufgegabelt, der sie in die Welt der magischen Wesen einführt und sich gemeinsam mit ihr, dem Werwolf Taylor und dem Menschen Danny auf die Suche nach einem Ausweg macht.
Es beginnt eine Hetzjagd quer durch Europa, auf der die vier von den Bluthunden der Nox, des großen Rates, gnadenlos verfolgt werden, einige Personen mit gezinkten Karten spielen und Tara alles daran setzt, die Erfüllung der Prophezeiung und den Untergang der Welt zu verhindern…

„Nox – Das Erbe der Nacht“ von Michael Borlik (Thienemann) ist ein All-Age-Fantasy-„Roadmovie“, das sich nicht an das angesagte Schema anpasst und paranormale Wesen romantisiert, sondern herrlich düster und emotional eher zurückhaltend daher kommt.
Der Fokus liegt auf dem zerbrechlichen Frieden zwischen den Wesen der Nacht und den Menschen, der vom Rat der Nox überwacht und von einigen zwielichtigen Figuren in Gefahr gebracht wird, die so die Weltherrschaft an sich reißen wollen (was auch sonst?). Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, aber sie ist eher verhalten integriert und steht nicht kitschig überladen im Vordergrund, ebenso wie die kleinschrittige und dadurch sehr realistische Entwicklung der Protagonisten.

Besonders faszinierend ist die Geschichte der Entstehung der Nachtwesen, die von Michael Borlik dunkel und sehr märchenhaft beschrieben wird, der fesselnde Mix mit modernen Gegebenheiten (inklusive Gentechnologie) lässt beim Lesen ebenfalls am Ball bleiben. Durch auch optisch abgegrenzte Perspektivwechsel zu den Fieslingen gelingt es Michael Borlik, die Spannung stetig zu steigern, ohne dabei zu viel zu verraten.
Die überraschendste Idee ist die Bedeutung Roms für die Handlung – wir haben doch schon immer geahnt, wo die Wurzel allen Übels liegt…

Fazit: All-Age-Fantasy mit einem bunten Sammelsurium an düsteren, paranormalen Wesen, kühl aufgebauter Spannung mit einigen überraschenden Wendungen bis zum fesselnden Showdown und ein wenig Herz ist auch dabei – definitiv lesenswert!

Bewertung: Glitzerfreie 13/15 Punkten!!!

Verlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20115-5

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„Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern

Wenn der mysteriöse Nachtzirkus seine Pforten öffnet, vergisst der Besucher Zeit und Raum – Magie, Zauberei und Artistik ziehen jeden in seinen Bann und machen die Aufführungen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Ein geheimnisvolles Erlebnis, denn man kann nie wissen, wo und wann es als nächstes stattfinden wird.

Hinter den Kulissen spielt sich jedoch mehr ab, als die gebannten Zuschauer erahnen können: Celia, eine wahre (Ver)Zauberin, lebt von klein auf mit der Gewissheit, der Wetteinsatz in einem wahnsinnigen Spiel unter Magiern zu sein. Allerdings kennt sie die Regeln nicht und auch der Gegner ist ihr zunächst unbekannt. Als sie dann Marco, den Spieler der Gegenseite, kennenlernt und sie sich ineinander verlieben, wird es für beide ungleich schwieriger zu gewinnen.
Denn nun erkennen sie, dass ihr Gewinn oder Verlust nicht nur über das Schicksal des jeweils anderen entscheidet, sondern auch der „Cirque des Rêves“ davon abhängt…

Nur selten erlebt man es, dass ein Buch innerhalb von nur wenigen Sätzen so intensive, alle Sinne ansprechende Bilder hervorruft wie „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern (Ullstein) – wobei es genau dadurch ein Buch ist, das man trotz des flüssigen Stils nicht einfach mal nebenbei lesen kann (und sollte!).

Lesen sich die Intros in die einzelnen Buchteile so, als würden sie auf einer Führung live erzählt, setzt Erin Morgenstern im laufenden Text auf detailreiche Beschreibungen des „Cirque des Rêves“, der einzelnen Zelte und der Künstler, spart aber auch die Beschreibungen der Kindheit von Celia und Marco nicht aus. Dabei formuliert sie durchweg so, dass man das Gefühl hat, selber eine alles erfassende Kamera durch das Geschehen zu führen, was durch die Nutzung des Präsens als Zeitform noch unterstrichen wird. Allerdings lässt diese Perspektive zwangsweise einen Blick auf die inneren Beweggründe und Gefühle der Charaktere vermissen.

Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen, wobei man zu Beginn zwar eine Idee hat, wo die Geschichte hingehen könnte, allerdings bis zuletzt nicht alle Informationen an der Hand hat und die Verbindung der einzelnen Handlungsstränge sehr gekonnt erfolgt. Einzig die Spannung leidet manchmal unter der wahren Flut an Bildern, denn zwischendurch kommt die Geschichte nicht so recht voran. Auch die Liebesgeschichte von Celia und Marco bzw. ihr Beziehungsaufbau steht immer im Schatten des wahren Protagonisten – des magischen Zirkus.

Fazit: Man kann ihn hören, riechen, fühlen – „Der Nachtzirkus“ ist eine bildgewaltige, magische Geschichte, die mit verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen arbeitet, bei all den Beschreibungen aber ab und zu ein wenig langatmig wird.

Bewertung: Magische 14/15 Punkten!!!

Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3550088742

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