„Schmetterlingsgeschichten – The White Edition: Chronik 1 – Genug geschlafen“ von Alexander Ruth

Der drachenähnliche Garth macht sich mit seinem Vorgesetzten Pharso und dessen Crew auf den Weg zur Erde, um die seit Jahrhunderten schlafenden Ritter des Rosenordens in ihren neuen Körpern zu wecken – denn das Gleichgewicht von Gut und Böse ist in Gefahr. Begleitet wird er von seinen Schmetterlingen Judith und Oskar, die ihm helfend zur Seite stehen und ihm aus so mancher Klemme helfen.
Der dreizehnjährige Schüler Sebastian, sein Geschichtslehrer Jens Taime und die Soldatin Sarah staunen nicht schlecht, als ihnen bewusst wird, dass sie Ritter der Blauen Rose sind und jeder von ihnen neben paranormalen Fähigkeiten auch einen sprechenden Schmetterling an der Seite hat. Während sie sich in die neue Rolle einfinden und die Schmetterlinge alles daran setzen, die Helden zusammenzuführen, haben die ersten grausamen Nilas den Weg zur Erde gefunden und wollen die Ritter ausschalten.
Und irgendwie sind sprechende Schmetterlinge und dubiose Videos von paranormalen Aktivitäten mitten in der Kölner Innenstadt auch nicht wirklich die richtige Deckung für Sebastian und seine neuen Freunde…

„Die Schmetterlingsgeschichten“ von Alexander Ruth sind wirklich nichts, was man mal eben nebenbei lesen kann. Dafür gibt es einfach zu viele Personen, Welten, Informationen, Perspektivwechsel, Handlungsstränge auf sehr, sehr klein gedruckten Seiten, die die volle Aufmerksamkeit erfordern. Allerdings schafft er es richtig gut, den einzelnen Protagonisten einen eigenen sprachlichen Stil zuzuordnen und arbeitet auch mit kursiver Schrift, um das Zurechtfinden im Gewimmel zu erleichtern.

Die Grundgeschichte in diesem ersten, einführenden Band ist wirklich gut und birgt eine Menge Potential: Auf dem unentdeckten Planeten Erde schlummern über alle Kontinente hinweg versteckt die Ritter des Rosenordens vor sich hin und harren ihrer Erweckung, um das Gleichgewicht von Gut und Böse im Universum zu erhalten. Begleitet werden die Ritter jeweils von einem sprechenden, leicht magischen Schmetterling, der sie auch in ihre sehr unterschiedlichen paranormalen Fähigkeiten einführt und ihnen notwendige Informationen gibt. In „Chronik 1 – Genug geschlafen“ versammeln sich alle in Köln und Umgebung, in den weiteren Bänden geht es hinaus in die Welt.

Das klingt nach einer tollen SciFi/Fantasy-Geschichte für Kinder, wird von Alexander Ruth auch entsprechend auf dem Buch so beworben – und dann kommt es zum Einsatz der Scharfschützin, werden Organe in einer Messerstecherei zerfetzt, mal eben ein paar Genicke gebrochen und neben Alkohol-Exzessen auch One-Night-Stands angesprochen. Bei allem Sinn für Realität, das ist für Kinderliteratur ein bisschen happig!

Fazit: Kinderbuch, Jugendbuch, Fantasy für Erwachsene? Man weiß es nicht, denn durchaus kindgerechte Elemente werden bunt mit sehr brutalen Szenen gemixt. Viele Perspektivwechsel und verschiedene Handlungsstränge in teilweise sehr kurzen Szenen erfordern wirklich aufmerksames Lesen – dann eröffnet dieser erste Band von weiteren acht allerdings eine spannende Fantasy-Welt, in der das Rheinland zum Mittelpunkt des Universums wird.

Bewertung: Ausbaufähige 8/15 Punkten!!!

Verlag: Books on Demand
ISBN: 978-3837036367

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„Dämonenzirkus“ von Marc Beck

Der kleine Zirkus Magnus steht so kurz vor der Pleite, dass der Zirkusdirektor selbst vor einem Handel mit dem Dämon Moloch nicht zurückschreckt. Zwölf Jahre später hat er es geschafft und seinen Zirkus zum bekanntesten und erfolgreichsten der Welt gemacht – auch dank der sechs mit besonderen Talenten ausgestatteten Jugendlichen, die als Waisen im Zirkus aufwuchsen und von düsteren Träumen heimgesucht werden. Allerdings ist jetzt auch der Zeitpunkt gekommen, an dem der Kreis sich schließt und Moloch seinen Lohn einfordert.

Glenn, der die Zeit anhalten kann, fällt als erstem auf, dass die Geschichten rund um seine Herkunft große Lücken aufweisen und die der anderen fünf nicht minder. Da ist es aber schon fast zu spät, denn Molochs Herr, Satan persönlich, hat einen finsteren Plan, den er mithilfe des Zirkus umzusetzen gedenkt…

„Dämonenzirkus“ von Marc Beck (Satzweiss) ist ein Fantasy-Roman für ältere Kinder und Jugendliche, in dem die Protagonisten wegen ihrer Superkräfte manchmal ein wenig die Bodenhaftung verlieren, ansonsten aber auch altersgemäß und somit glaubwürdig handeln, fühlen und denken. Allerdings verleiht Marc Beck ihnen nicht die erhoffte Tiefe und ihre Entwicklungen finden eher im sehr kleinen Rahmen statt – dabei sind ihre Wünsche und Hoffnungen zwischendurch richtig anrührend.

Von Beginn an ist eigentlich klar, was im Zirkus nicht stimmt und man begleitet die Helden, allen voran Glenn, bei der schrittweisen Enthüllung ihrer Vergangenheit. Die Geschichte wird auch aus den Perspektiven des Zirkusdirektors und anderer wichtiger Personen erzählt, so dass man einen besseren Rundumblick als die Jugendlichen hat und mitfiebern kann, wann und wie sie den dämonischen Ränken auf die Schliche kommen und darauf reagieren. Das ist manchmal durchaus vorhersehbar, aber ein paar unvorhergesehene Wendungen gibt es schon, die gut Spannung aufbauen.
Die gruselige Atmosphäre, die bisweilen durchaus blutige Details aufweist, zieht dafür so schnell in den Bann, dass man das flüssig geschriebene Buch bis zum furiosen Showdown in einem Rutsch durchliest.

Fazit: Ein wirklich kind- und jugendgerechter Fantasy-Roman aus Deutschland, dessen Charaktere ein wenig eindimensional sind, der aber mit einer abenteuerlich-mysteriösen und wirklich gruseligen Handlung im Zirkusmilieu punkten kann und ein paar kleinere Überraschungen parat hat. Man darf auf die Fortsetzung gespannt sein!

Bewertung: Dämonische 11/15 Punkten!!!

Verlag: Satzweiss
ASIN: B008HFCSQO

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„White Horse“ von Alex Adams

Wissenschaftliche Experimente haben „White Horse“ ins Leben gerufen. Die Seuche spaltet die Menschheit in drei Lager: Die wenigen Immunen, die Massen an Sterbenden und die Überlebenden, die ihr Überleben so unglaublich vieles kostet – zu oft auch ihre Menschlichkeit.
Die Amerikanerin Zoe ist zu Fuß und auf sich allein gestellt auf dem Weg quer durch Südeuropa, um den einzigen Menschen zu finden, der ihr noch Hoffnung in diesen grausamen Zeiten gibt: Den Therapeuten Nick, mit dem sie das Rätsel um ihren Anteil an der Apokalypse teilt und dessen Kind sie austrägt.
Während sie sich an jeden Strohhalm klammert und sich immer wieder ihr früheres Leben ins Gedächtnis ruft, kämpft sie verzweifelt ums Überleben und den Erhalt ihrer Menschlichkeit. Ein schwieriges Unterfangen, denn jeder ihr begegnende Mensch könnte auch ihr letzter Kontakt in dieser so grausam veränderten Welt sein…

„White Horse“ von Alex Adams (Piper) ist eine mehr als düstere Dystopie, die zu Beginn so verwirrt, dass man nicht recht ins Buch findet. Man begleitet die Protagonistin Zoe auf ihrer Mission, die sie quer durch Italien und Griechenland führt. Dabei werden sowohl ihre Erlebnisse in der Gegenwart als auch die Erinnerungen, die sie bis hierher führten, in kurzen Sequenzen dargestellt, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten und dadurch am Lesefluss hindern.

Das Leben nach der Katastrophe ist gefährlich, bar jeder Hoffnung und gesellschaftlichen Ordnung. Jeder kämpft für sich, sein Überleben und gegen den drohenden und mehr als wahrscheinlichen Tod. Dies hebt „White Horse“ von anderen Dystopien ab, in denen Gemeinschaft als erstrebenswertes Gut dargestellt wird – auch wenn es meist nur gegen den gemeinsamen Feind ins Feld zu ziehen gilt. Allerdings verhindert Alex Adams durch diese trostlose Vision auch die direkte gefühlsmäßige Einbindung der Leser. Hoffnungslosigkeit lässt halt einfach nicht mitfiebern, sondern zieht mit runter.

Zoe erscheint in ihren Erinnerungen sehr selbstunsicher und wenig lebenstauglich, was so gar nicht zu der Frau passt, die sich dann zielgerichtet und ihre Gefühle meistens unterdrückend auf den Weg macht, um dem letzten Gedanken zu folgen, der sie am Leben erhält: Nick. Gerade er ist jedoch absolut nicht greifbar, die kurzen Sequenzen reichen nicht, um ihn wirklich mit Leben zu füllen und so scheint Zoe einem Traumgebilde nachzujagen, was schwer nachvollziehbar ist.

Fazit: Grau, grausam, beängstigend – diese Dystopie zeichnet ein mehr als realistisch anmutendes Bild einer von Wissenschaftlern hervorgerufenen Endzeit. Die zunächst sehr verwirrenden Zeitsprung-Schnipsel und die wenig greifbaren Charaktere sorgen allerdings dafür, dass man außer deprimierenden Gefühlen wenig mitnimmt.

Bewertung: Runtergezogene 9/15 Punkten!!!

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-70252-2

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„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis

Ein paar Kupferrohre und vielleicht den schönen alten Marmor-Kamin – mehr möchte Kleingangster Jezza gar nicht aus dem alten Haus rausholen, um sich seinen Lebensunterhalt zu „verdienen“.
Die märchenhaften Bücher, die er und seine Kumpel dort finden, sorgen allerdings dafür, dass eine grausame, sehr zielorientierte Macht entfesselt wird und Anspruch auf seinen Thron samt passendem Hofstaat erhebt.
Ehe sich die Bewohner der englischen Kleinstadt der Gefahr bewusst werden, verbreitet sich die Botschaft des Buches wie ein Virus durch die Bevölkerung und macht sie zu willenlosen Geschöpfen unter der Knute des neuen Ismus Jezza, dem Magus am Hofe Mooncaster.
Während der Lehrer Martin Baxter langsam hinter die grauenhaften Geschehnisse blickt, bereitet Jezza alles für die Ankunft des Prinzen der Dämmerung vor – und lässt das Geschöpf Mauger die wenigen Abtrünnigen finden, die sich der Macht der Bücher widersetzen…

„Dancing Jax – Auftakt“ von Robin Jarvis (script 5) ist der Auftaktband einer dunklen, irgendwie trostlosen und bitterbösen Trilogie, die einige Seitenhiebe auf moderne gesellschaftliche Entwicklungen einbindet. Und in der … Trommelwirbel! … bisher keinerlei Teenie-Lovestory vorkommt.
In diesem ersten Band stellt Robin Jarvis aus wechselnden Perspektiven die bedeutenden Personen des Buches vor. Man sollte sich nichts vormachen – von Martin abgesehen gibt es nicht grad viele Sympathie-Träger und Jarvis hat auch kein Problem damit, klischeehafte Vorannahmen des Lesers wie Seifenblasen platzen zu lassen (man könnte auch sagen, dass er den niedlichen Igel auf der Landstraße bewusst überfährt) und unerwartete Handlungsstränge zu entwickeln. Das ist kein eingängiger, aber mal kreativer Ansatz, der es in diesem ersten Band wohl erschwert, sich mit den vorgestellten Personen zu identifizieren und mitzufühlen.

Die Geschichte an sich ist sehr spannend, ist flüssig und flott geschrieben und hält sich nicht mit ellenlangen Einführungen auf, sondern wird über die kurze Zeit von einer Woche erzählt, in der die magischen Worte den Menschen eine Gehirnwäsche epischen Ausmaßes verpassen. Eingestreut werden dabei die individuellen Geschichten des magischen Buches „Dancing Jax“ für die bedeutsamen Mitglieder des zukünftigen Hofstaates. Und selbst diese sind zwar märchenhaft, aber blutig und unglaublich böse.

Fazit: Wer mal was anderes lesen möchte und ohne Liebesschwüre und Superhelden auskommt, ist mit dieser wirklich düsteren  Trilogie voll schwarzer Magie, bei der bisher am Ende des Tunnels das Licht ganz ausgeht, richtig gut unterwegs.

Bewertung: Beeindruckte 12/15 Punkten!!!

Verlag: script 5
ISBN: 978-3-8390-0134-9

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