„White Horse“ von Alex Adams

Wissenschaftliche Experimente haben „White Horse“ ins Leben gerufen. Die Seuche spaltet die Menschheit in drei Lager: Die wenigen Immunen, die Massen an Sterbenden und die Überlebenden, die ihr Überleben so unglaublich vieles kostet – zu oft auch ihre Menschlichkeit.
Die Amerikanerin Zoe ist zu Fuß und auf sich allein gestellt auf dem Weg quer durch Südeuropa, um den einzigen Menschen zu finden, der ihr noch Hoffnung in diesen grausamen Zeiten gibt: Den Therapeuten Nick, mit dem sie das Rätsel um ihren Anteil an der Apokalypse teilt und dessen Kind sie austrägt.
Während sie sich an jeden Strohhalm klammert und sich immer wieder ihr früheres Leben ins Gedächtnis ruft, kämpft sie verzweifelt ums Überleben und den Erhalt ihrer Menschlichkeit. Ein schwieriges Unterfangen, denn jeder ihr begegnende Mensch könnte auch ihr letzter Kontakt in dieser so grausam veränderten Welt sein…

„White Horse“ von Alex Adams (Piper) ist eine mehr als düstere Dystopie, die zu Beginn so verwirrt, dass man nicht recht ins Buch findet. Man begleitet die Protagonistin Zoe auf ihrer Mission, die sie quer durch Italien und Griechenland führt. Dabei werden sowohl ihre Erlebnisse in der Gegenwart als auch die Erinnerungen, die sie bis hierher führten, in kurzen Sequenzen dargestellt, die mehr Fragen aufwerfen als beantworten und dadurch am Lesefluss hindern.

Das Leben nach der Katastrophe ist gefährlich, bar jeder Hoffnung und gesellschaftlichen Ordnung. Jeder kämpft für sich, sein Überleben und gegen den drohenden und mehr als wahrscheinlichen Tod. Dies hebt „White Horse“ von anderen Dystopien ab, in denen Gemeinschaft als erstrebenswertes Gut dargestellt wird – auch wenn es meist nur gegen den gemeinsamen Feind ins Feld zu ziehen gilt. Allerdings verhindert Alex Adams durch diese trostlose Vision auch die direkte gefühlsmäßige Einbindung der Leser. Hoffnungslosigkeit lässt halt einfach nicht mitfiebern, sondern zieht mit runter.

Zoe erscheint in ihren Erinnerungen sehr selbstunsicher und wenig lebenstauglich, was so gar nicht zu der Frau passt, die sich dann zielgerichtet und ihre Gefühle meistens unterdrückend auf den Weg macht, um dem letzten Gedanken zu folgen, der sie am Leben erhält: Nick. Gerade er ist jedoch absolut nicht greifbar, die kurzen Sequenzen reichen nicht, um ihn wirklich mit Leben zu füllen und so scheint Zoe einem Traumgebilde nachzujagen, was schwer nachvollziehbar ist.

Fazit: Grau, grausam, beängstigend – diese Dystopie zeichnet ein mehr als realistisch anmutendes Bild einer von Wissenschaftlern hervorgerufenen Endzeit. Die zunächst sehr verwirrenden Zeitsprung-Schnipsel und die wenig greifbaren Charaktere sorgen allerdings dafür, dass man außer deprimierenden Gefühlen wenig mitnimmt.

Bewertung: Runtergezogene 9/15 Punkten!!!

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-70252-2

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„Renegade – Tiefenrausch“ von J.A. Souders

„Mein Leben ist absolut perfekt.“ Dies ist der erste Satz, den Evelyn jeden Morgen im Kopf hat, wenn sie ihre Augen aufschlägt. Und es ist so – in der Unterwasserstadt Elysium, die von ihrer Mutter regiert wird, ist alles perfekt: Jeder passt ins optische Schema und hält sich an ein ausgefeiltes Regelsystem, dessen Missachtung streng geahndet wird. Die Regeln sind wichtig, um den Frieden zu erhalten, den es an der Oberfläche mit all den selbstsüchtigen, kriegerischen Menschen nicht geben konnte.
Evelyn scheint jedoch eine schlechte Nachfolgerin ihrer Mutter zu werden, denn sie ist vergesslich und bedarf täglicher Besuche beim Therapeuten, um ihre Erinnerungslücken in den Griff zu bekommen.

Erst als der Oberflächenbewohner und somit unbefugte Eindringling Gavin gefangen genommen wird und sie sich gegen alle Regeln zu ihm hingezogen fühlt, wagt sie es, unter die perfekte Oberfläche von Elysium zu blicken. Und was sie dort entdeckt, wirft nicht nur ihr Welt- und Selbstbild über den Haufen, sondern sie muss um ihr eigenes Leben und das von Gavin kämpfen…

Ivi hat mit „Renegade – Tiefenrausch“ von J.A. Souders erneut ein richtig gutes Händchen für fesselnde und dennoch sehr locker zu lesende All-Age-Literatur bewiesen. Eigentlich handelt es sich um eine Dystopie, „uneigentlich“ ist das Szenario in der Science-Fiction-Version von Atlantis jedoch so weit entfernt von den gängigen Dystopien, dass das Buch sehr eigenständig und anders ist.
Trotz des eingangs beschriebenen Gefühls von Weite durch die Glaskuppeln, entwickelt J.A. Souders mittels des starren Korsetts von Regeln sowie dem System von Belohnung und strenger Bestrafung eine immer beengter erscheinende Lebenswelt, die beim Lesen fühlbar wird.

Von der ersten Seite an erscheint der Alltag von Evie unheimlich, wobei es eher unterschwellige Ungereimtheiten sind, die stutzig machen. Ab dem zweiten Kapitel erkennt man als Leser (und das zwangsweise viel schneller als die Ich-Erzählerin Evie), dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Das ist zunächst gruselig, dann widerlich und grausam – und spätestens ab diesem Zeitpunkt legt man das Buch nicht mehr aus der Hand, weil man wissen mag, was und wie viel (psychologischer) Wahnsinn denn hinter allem steckt. Dabei gibt es einige falsche Fährten und Wendungen, die diese vielleicht doch vorhersehbare Story richtig spannend bleiben lassen.

Evie ist eine bestechende Protagonistin, die unter der Glaskuppel in ihrer eigenen Seifenblase gefangen ist und deren mitunter sprunghafte Entwicklung inklusive der Rückfälle nachvollziehbar ist, mitfühlen lässt und immer für eine Überraschung gut ist. Die erste Hingabe an Gavin geschieht erwartungsgemäß sehr schnell, allerdings liegt der Schwerpunkt auch eher auf ihren gemeinsamen Erlebnissen, der Entwicklung zum vertrauensvollen Paar – und gipfelt in einem wunderschönen leisen Ende.

Fazit: Pawlow hätte seine Freude an dieser All-Age-Dystopie – fiese Konditionierungen in einer modernen Atlantis-Szenerie machen dieses Buch mit seinem berührenden Liebespaar zu einem rundum gelungenen Lesevergnügen, das einem wohlige und geschockte Gänsehaut beschert und nicht an grausamen Szenen sowie überraschenden Wendungen spart.

Bewertung: Rundum zufriedene 14/15 Punkten!

Verlag: ivi
ISBN: 978-3492702812

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„Eternally – Selbst die Ewigkeit kann uns nicht trennen“ von Lisa Cach

Außenseiterin Caitlyn bekommt ein Stipendium für ein französisches Internat angeboten und wagt den Sprung über den großen Teich in eine fremde Kultur, um der Familie zu entfliehen, die sie, ihre Art und vor allem ihre Albträume nicht versteht.
Allerdings gibt es auch hier die coolen und reichen Mädels, zu denen sie definitiv nicht gehört und die Sache mit der Sprache ist auch nicht so einfach. Dabei wird sie von Direktorin Snowe ordentlich unter Druck gesetzt, die über den schulischen Bereich hinaus auch noch andere Dinge von ihr zu erwarten scheint.
Ihre Albträume suchen sie erneut in immer kürzeren Abständen heim und werden immer realer. Und in Raffael, den sie in ihren Träumen immer wieder trifft, erkennt sie den Mann wieder, den ihr ihre Mutter vorhergesagt hat. Allerdings lebt er in der Vergangenheit und mit jedem Erwachen muss sie ihn zurücklassen.
Warum zieht es sie immer wieder zu ihm und was hat das alles mit den Plänen von Direktorin Snowe zu tun?

„Eternally – Selbst der Tod kann uns nicht trennen“ ist eine All-Age-Fantasy von Lisa Cach (Ink), die wirklich kein Klischee auslässt, allerdings nicht in der Lage ist, auch nur eines davon wirklich zu bedienen. Die Bösen sind nicht böse genug, die Zicken nicht zickig, das Geheimnis nicht wirklich geheim und von der Leidenschaft mag man gar nicht erst anfangen – da springt auch nicht ein einziger Funke über.
Die Story an sich ist arg vorhersehbar, einige Infos werden extrem auffällig gegeben bzw. stehen von Beginn an quasi fest, so dass dadurch schon mal keine Spannung aufkommt und die netten Ideen wie die Tarot-Karten, die Zeitsprünge über Caitlyns Träume und das Hexen-Clübchen dümplen vor sich hin. Auch wenn Lisa Cach das „große Geheimnis“ häppchenweise von Traum zu Traum und in einem netten, flüssigen Stil enthüllt, kommt einfach keine Fahrt auf.

Die Liebesgeschichte von Caitlyn und Raffael ist wenig glaubwürdig, sie sehen sich zwei Mal und – schwupps – ist es Liebe, ohne dass zuvor auch nur ein wenig Knistern zwischen den beiden aufkommt oder man sich als Leser mit in das Unvermeidbare stürzen mag. Dafür ist Raffael auch zu blass und eindimensional und Caitlyn sehr schicksalsergeben, wodurch die beiden einfach nicht im Gedächtnis bleiben.

Fazit: Das Buch nimmt so ziemlich jedes Vorurteil über All-Age-Fantasy mit – hätte aber ja klischeemäßig spannend oder zumindest herzergreifend werden können. Hätte… Immerhin gelingt es Lisa Cach, die Geschichte in nur einem Band komplett zu erzählen. Das ist aktuell ja richtig innovativ!

Bewertung: Gelangweilte 4/15 Punkten!!!

Verlag: Egmont Ink
ISBN: 978-3863960193

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„Nox – Das Erbe der Nacht“ von Michael Borlik

Tara trägt ein großes Erbe in sich, mit dem sie seit ihrer Geburt zu kämpfen hat: Laut der Prophezeiung ihrer Großmutter soll in ihrem Blut-Mix die Macht liegen, den gefallenen Engel Lilith zu befreien und die Nachtwesen zu den Beherrschern de Erde zu machen. So weit, so schlecht – denn Freunde macht man sich damit nicht und daher ist sie mit ihren Eltern seit Kindertagen meist auf der Flucht. Als ihre eigentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannte Großmutter wieder auftaucht und ihre Eltern entführt werden, weiß Tara, dass der Moment der Entscheidung gekommen ist.
Sie wird von dem Halbdämon Sky aufgegabelt, der sie in die Welt der magischen Wesen einführt und sich gemeinsam mit ihr, dem Werwolf Taylor und dem Menschen Danny auf die Suche nach einem Ausweg macht.
Es beginnt eine Hetzjagd quer durch Europa, auf der die vier von den Bluthunden der Nox, des großen Rates, gnadenlos verfolgt werden, einige Personen mit gezinkten Karten spielen und Tara alles daran setzt, die Erfüllung der Prophezeiung und den Untergang der Welt zu verhindern…

„Nox – Das Erbe der Nacht“ von Michael Borlik (Thienemann) ist ein All-Age-Fantasy-„Roadmovie“, das sich nicht an das angesagte Schema anpasst und paranormale Wesen romantisiert, sondern herrlich düster und emotional eher zurückhaltend daher kommt.
Der Fokus liegt auf dem zerbrechlichen Frieden zwischen den Wesen der Nacht und den Menschen, der vom Rat der Nox überwacht und von einigen zwielichtigen Figuren in Gefahr gebracht wird, die so die Weltherrschaft an sich reißen wollen (was auch sonst?). Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, aber sie ist eher verhalten integriert und steht nicht kitschig überladen im Vordergrund, ebenso wie die kleinschrittige und dadurch sehr realistische Entwicklung der Protagonisten.

Besonders faszinierend ist die Geschichte der Entstehung der Nachtwesen, die von Michael Borlik dunkel und sehr märchenhaft beschrieben wird, der fesselnde Mix mit modernen Gegebenheiten (inklusive Gentechnologie) lässt beim Lesen ebenfalls am Ball bleiben. Durch auch optisch abgegrenzte Perspektivwechsel zu den Fieslingen gelingt es Michael Borlik, die Spannung stetig zu steigern, ohne dabei zu viel zu verraten.
Die überraschendste Idee ist die Bedeutung Roms für die Handlung – wir haben doch schon immer geahnt, wo die Wurzel allen Übels liegt…

Fazit: All-Age-Fantasy mit einem bunten Sammelsurium an düsteren, paranormalen Wesen, kühl aufgebauter Spannung mit einigen überraschenden Wendungen bis zum fesselnden Showdown und ein wenig Herz ist auch dabei – definitiv lesenswert!

Bewertung: Glitzerfreie 13/15 Punkten!!!

Verlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20115-5

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