„Die Entdeckung des Hugo Cabret“ von Brian Selznick

Der 12jährige Waisenjunge Hugo Cabret lebt versteckt im Bahnhof und repariert die Uhren – eigentlich der Job seines verschwundenen Onkels. Hugo versucht nicht aufzufallen, vermeidet Beziehungen zu anderen Menschen und hat nur eine wahre Leidenschaft: Den kaputten mechanischen Mann, das letzte Projekt seines verstorbenen Vaters, mit dem Hugo sich eine Zukunft als Zauberer aufbauen möchte und an dem er in jeder freien Minute werkelt.
Da wird Hugo vom alten Papa Georges und seiner Nichte Isabelle in deren Laden beim Stehlen von Spielzeug erwischt – und der alte Griesgram klaut wiederum Hugo das Notizbuch voller Zeichnungen, seiner einzige Verbindung zu seinem toten Vater und der Lösung des Rätsels um den mechanischen Mann. Und schon steckt Hugo mittendrin in einem Abenteuer, das nicht nur sein eigenes Leben von Grund auf verändern wird…

Brian Selznick hat ein Buch mit einer wunderschönen Geschichte in einer außergewöhnlichen Form erschaffen – die Verbindung von Text und Bildergeschichte in „Die Entdeckung des Hugo Cabret“ (cbj) ist so perfekt, die Übergänge sind derart fließend und die Bilder gewaltig in ihrer Sprache und gleichzeitig doch wieder so einfach gehalten, dass man als Leser aus dem Staunen und (Mit)Fühlen nicht mehr heraus kommt. Eingearbeitet sind Original-Zeichnungen aus den Szenen „bewegter Bilder“, die in ihrer Fülle einfach nur Lust machen, sich diese ersten Filme anzuschauen.
Die Geschichte an sich ist ein Klassiker: ein Waisenjunge, ein grummeliger Alter, ein junges Mädchen und ein Geheimnis, das es zu lösen gilt. Aber Selznick schafft es, den Leser zu fesseln und an seine Figuren zu binden – und lässt einen das Buch erst nach der letzten Seite bedauernd wieder aus der Hand legen.

Fazit: Wunderschöne, bildgewaltige Geschichte über das Leben verändernde Zufälle und die Geschichte des Films – unbedingt lesen!

Bewertung: Berührte 14/15 Punkten!! Wer sich jetzt fragt, warum es einen Punktabzug gibt: Das Buch stinkt erbärmlich…

Verlag: cbj
ISBN:  978-3-570-22118-1

“Die Insel der besonderen Kinder” von Ransom Riggs

Seit Jakobs Großvater brutal ermordet wurde, verliert der 16jährige Jakob zunehmend den Bezug zu sich und der Realität. Denn niemand außer ihm glaubt an das Monster, das er neben der Leiche des Großvaters gesehen hat. Und niemand sonst hört die letzten Worte an Jakob – eine Warnung und die Bitte, sich zu seinem eigenen Schutz zu den besonderen Kindern zu begeben.

Sollte es denn wirklich die Monster geben, die es auf die besonderen Kinder abgesehen haben? Zumindest erzählte der Großvater Jakob immer von seiner Kindheit auf der walisischen Insel und all den obskuren Personen, die er dort traf: den unsichtbaren Jungen, das schwebende Mädchen und seine Jugendliebe, die feuerfertige Emma.
Jakob begibt sich auf die Suche, zunächst durch Raum und dann durch Zeit, erforscht die Vergangenheit des Großvaters und seine eigene Beziehung zu der bunten Truppe von Kindern. Aber die Monster sind nicht weit…

„Die Insel der besonderen Kinder“  von Ransom Riggs ist ganz klar ein Jugendbuch im Bereich Fantasy/moderne Märchen mit einem Hauch von Gruselambiente. Jakob schildert aus der Ich-Perspektive seine Welt – einfach strukturiert, glücklicherweise aber nicht in aufgesetzter Jugendsprache. Durch einige Leseproben des PAN-Verlages mit sehr hohen Erwartungen gestartet, wurde meine Euphorie schnell gebremst. Der rasante Auftakt und die wirklich originelle Grundidee können die Energie nicht über die vollen 400 Seiten halten. Die Annäherung der Charaktere verläuft eher seicht, die Entwicklung der Hauptpersonen passiert dagegen hoppla hopp. Ein wenig enttäuscht ließ mich das Ende zurück: Wer einigermaßen aufpasst, hat die entscheidenden Hinweise schon vorher mitbekommen und das Ende ist so offen, dass man eine noch nicht angekündigte Fortsetzung annehmen muss. Wobei die Andeutungen auf mehr hoffen lassen…

Ein besonderes Schmankerl (und dafür gibt es ganz klar Extra-Punkte) ist die Aufmachung des Buches. Über das ganze Buch verteilte wunderschöne und skurrile S/W-Fotografien aus privaten Sammlungen lassen ein ganz besonderes Flair aufkommen und machen aus dem Buch ein kleines Kunstwerk.

Fazit: Ein schönes Buch, solide aber leichte Kost und genau das richtige für ein nebliges Herbstwochenende.

Bewertung: In der mittleren Kategorie – 10/15 Punkten, hauptsächlich wegen der Aufmachung!

Verlag: PAN
ISBN: 978-3426283684

HXZ5FV4XYUBN