„Books & Braun – Das Zeichen des Phönix“ von P. Ballantine und T. Morris

Jetzt auch als Podcast!

Wellington Books ist Archivar aus Berufung, denn seine Leidenschaft gilt seinem Differenziergerät, Bach, Ordnung und guten Umgangsformen. Eliza D. Braun ist ganz Agentin im Außendienst, liebt Schusswaffen, Stichwaffen, Nahkampf – und Dynamit zur endgültigen Klärung. Die unkonventionelle Frau und Mr. „Very British“ haben nichts gemeinsam. Bis auf die Tatsache, dass sie beide Agenten im „Ministerium für außergewöhnliche Vorfälle“ und davon überzeugt sind, dass nur ihre eigene Vorgehensweise erfolgversprechend ist.

Nun werden sie von ihrem Vorgesetzten zu Partnern erklärt und treiben sich im Archiv gegenseitig in den Wahnsinn, bis Eliza die „vergessenen Fälle“ findet und einen direkten Hinweis auf das Schicksal ihres vorigen Partners. Dieser ist seit eigenmächtigen Ermittlungen in einer grausamen Mordserie dem Wahnsinn verfallen. Ein vergleichsweise mildes Schicksal, denn kaum ermitteln Books und Braun in dem Fall, werden sie von mörderischen Kutschen verfolgt, fast in die Luft gesprengt und von der geheimnisvollen schwarzen Frau beschossen.
Auf der Suche nach einer Geheimorganisation, die sich gegen England verschworen hat, müssen sich die beiden zwangsweise zusammenraufen, wenn sie überleben wollen…

„Das Zeichen des Phönix“ ist der erste Band der neuen Steampunk-Serie von P. Ballantine und T. Morris (Egmont Lyx) rund um das Ermittlerduo Books und Braun. Und genau dieses Duo ist das Pfund, mit dem die Reihe wuchert: Absolut gegensätzlich und gerade dadurch voneinander abhängig, liefern sie sich einen humorvollen verbalen Schlagabtausch nach dem anderen. Gleichzeitig fühlen sie sich voneinander angezogen, allerdings kommt es nicht zu den genretypischen Bett- und Beziehungsgeschichten, sondern die beiden werden sich wohl auch in den Folgebänden immer wieder gegenseitig überraschen und äußerst unterhaltsam umeinander rumschleichen. Auch die Neben-Charaktere haben augenscheinlich noch ein paar Geheimnisse in petto, die in den nächsten Bänden gelüftet werden – und die „Hilfreichen Sieben“ sind einfach toll.

Die Handlung um ein groß angelegtes Komplott ist der Steampunk-Klassiker, allerdings spielen die Maschinen und Erfindungen eine größere Rolle als in manch anderem Buch mit diesem Stempel. Zusätzlich gibt es noch tolle magisch-mystische Gegenstände im Archiv mit passenden Geschichten dazu.
Nach einem mitreißenden Auftakt braucht die Handlung wieder ein wenig, um in Fahrt zu kommen, baut dann aber bis zum Show-Down kontinuierlich Spannung auf und es gibt mehr blutige und brutale Szenen, als man zu Beginn vermuten würde.

Fazit: „Cold Case“ trifft „Warehouse 13“ und schmeißt eine ordentliche Steampunk-Party – ein spannender und teilweise richtig blutiger Serienauftakt mit einem faszinierenden Ermittlerduo, witzigen Dialogen und der Aussicht auf viele weitere Verschwörungen gegen das britische Empire.

Bewertung: Flotte 13/15 Punkten!!!

Verlag: Egmont Lyx
ISBN: 978-3802586439

Direkt bei Amazon – oder beim Buchhändler ums Eck!

„Das ewige Empire 1 – Bookman“ von Lavie Tidhar

Der Bookman schlägt wieder zu und dieses Mal hat der gefährlichste Terrorist Londons Orphan’s Verlobte Lucy auf dem Gewissen.
Als weder Premierminister Moriarty noch Irene Adler, die Inspektorin von Scotland Yard, dem Terror ein Ende machen können, hat der junge Dichter ohne Vergangenheit nur noch zwei Alternativen: Selber Rache am Bookman üben oder Lucy aus dem Reich der Toten zurückholen. Gerne auch in Kombination.
Der Bookman hat jedoch ganz eigene Pläne – denn nach jahrhundertelanger Herrschaft durch die Les Lézards soll endlich das Ende des Ewigen Empire und der königlichen Familie eingeläutet werden. Er hasst die mächtigen Echsen abgrundtief und will sie mit seinen Waffen, den Büchern, besiegen.
Orphan macht sich auf die Jagd nach dem Verbrecher und schlägt sich durch die Londoner Unterwelt, setzt sich mit Automaten auseinander und macht sich auf die Suche nach der verborgenen Insel, um endlich das Geheimnis des Bookman zu lüften.
Aber der Bookman wäre nicht der Bookman, wenn er nicht noch mehrere Asse im Ärmel hätte – und plötzlich ist nichts mehr so, wie es scheint…

„Das ewige Empire 1 – Bookman“ von Lavie Tidhar (Piper) hat eine gewaltige Grundlage: Die Literatur im Allgemeinen und Besonderen.
Diese Flut an literarischen und realen Figuren in völlig neuen Kontexten, Zitate aus Klassikern der Fantasy- und Kriminal-Literatur und modernen Filmen (u.a. Gray’s Anatomie-Abteilung), die neu zusammengesetzt und interpretiert werden – ein Literatur-”Einsteiger” hat es vielleicht sogar leichter, weil er nicht an jeder Ecke über etwas stolpert und schier überwältigt wird, aber ihm entgeht dadurch auch vieles.
Lavie Tidhar versteht sich dabei auf eine Sprache, die malerisch ist und alle Sinne anspricht, er kombiniert märchenhafte Erzählweisen ohne Scheu und innovativ mit Scifi- und Steampunk-Elementen.
Dies ist für die Geschichte Segen und Fluch zugleich. Denn oft genug hat man den Eindruck, seine Erzählfreude und die Menge an Informationen verhindern den Spannungsaufbau. Oder die Geschichte ist plötzlich so neben der Spur, dass man erst abwarten muss, ob es eine neue geben wird, was dann gestückelt wirkt.
Trotzdem begleitet man den zerrissenen, leicht naiven und doch mutigen Orphan gerne auf seiner klassischen Heldenreise von Abenteuer zu Abenteuer, auf der er Lucy sucht, aber sich selber finden muss.

Fazit: Faszinierende Steampunk-Orgie mit unglaublich bildgewaltiger Sprache, die gerade deshalb stellenweise ein wenig erschlägt und sich selbst die Luft abschnürt. Insgesamt eine Wundertüte an liebevollen, ausgefallenen, wahnsinnigen Details, Zitaten und Figuren, die den Kopf eine Runde schwirren lässt.

Bewertung: Beeindruckte 12/15 Punkten!!!

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-70242-3

„Steam & Magic – Feuerspiel“ von Cindy Spencer Pape

Fünf Kinder, die wie Profis eine Horde Vampire überwältigen und ihm helfen, entführte Frauen zu befreien? Sir Merrick Hadrian ist ein wenig perplex, erkennt aber in Tommy, dem ältesten der bunt zusammen gewürfelten Truppe, einen Funken der „magischen Gabe“. Diese Kraft wohnt allen Rittern inne, die dem geheimen Orden der Tafelrunde angehören und England seit Jahrhunderten vor den Übergriffen durch magische Wesen beschützen.
Da auch die anderen Mädchen und Jungen über technische und übersinnliche Talente verfügen, beschließt Sir Merrick, ihnen ein neues Zuhause zu geben. Er stellt jedoch sehr schnell fest, dass er mit der Erziehung der Straßenkinder komplett überfordert ist. Caroline Bristol erscheint ihm als die beste Wahl für den Job der Gouvernante, denn die junge Frau kann sofort eine Beziehung zu seinen Mündeln aufbauen. Allerdings ist auch Sir Merrick gegenüber ihren den Reizen nicht immun.
Als London von einer dämonischen Macht bedroht wird, müssen alle sieben zusammenhalten, um die Stadt zu retten – und Caroline hat auch noch ein Ass im Ärmel…

„Steam & Magic – Feuerspiel“ ist der erste Band einer Reihe mit Romantik-, Steampunk- und Fantasy-Elementen von Cindy Spencer Pape (Heyne), deren Grundthema die Arbeit des Ordens der Tafelrunde ist und in jedem Band neue Protagonisten hat.
Eingebunden in die Welt Englands in der Mitte des 19. Jahrhunderts, liegt der Fokus zwischenzeitlich sehr auf der Liebegeschichte zwischen Caroline und Sir Merrick, die zugegebener Maßen ein tolles Paar abgeben. Allerdings fiebert man bei ihnen nicht vollen Herzens mit und als es dann plötzlich sehr intim zwischen den beiden wird, widerspricht dies zu sehr Carolines Grundhaltung um  glaubwürdig zu sein. Zumindest ist es detailliert und ansprechend beschrieben.
Ein großes Plus dieses Romans sind die begabten Straßenkinder, die Witz und Energie in die Handlung bringen und denen man sofort das Herz öffnet. Man kann nur hoffen, von ihnen in einem der Folgebände noch mehr zu erfahren.
Die Fantasy- und Steampunk-Elemente erscheinen manchmal eher wie reingeschossen, es gibt keine fließende Verbindung, sondern der Fantasy-Teil inklusive Showdown wirkt gewollt, um die Liebesgeschichte weiter zu bringen. Das ist schade, denn die Grundgeschichte hat allein durch den Orden und die Vielzahl an Wesen enormes Potential, das hier zwar zum Einsatz kommt, aber zu einem nicht unerheblichen Teil auch verschenkt wird.

Fazit: Klassisch gestrickte und daher vorhersehbare Story, die aber mit sympathischen Charakteren und einem Mix aus Steampunk und Fantasy-Wesen aller Arten für unterhaltsame Stunden sorgt – der große Clou ist es aber leider nicht.

Bewertung: Etwas verdampfte 9/15 Punkten!!!

Verlag: Heyne
ISBN: 978-3-453-52990-8

Direkt bei Amazon – oder beim Buchhändler umd die Ecke!

„Die Eiserne See 2 – Flammendes Herz“ von Meljean Brook

Sie hat seinen Vater umgebracht und ihn über Zombieland einfach über Bord geworfen und ihn seinem Schicksal überlassen – eigentlich gute Gründe für Archimedes Fox, Yasmeen, auch „Lady Corsair“ genannt, mehr als nur zu verabscheuen.
Stattdessen sucht er die Nähe der Söldnerin, die Kapitänin eine Luftschiffes ist, denn er hat nicht nur sein Herz an die unbeugsame Kämpferin verloren, sondern braucht auch ihre Hilfe dabei, seine Schulden zu begleichen, die er vor Jahren beim Oberbefehlshaber des Khans machte.
Als Meuchelmörder des großen Khan Yasmeens Crew ermorden und ihr Luftschiff versenken, willigt sie ein, dem Abenteurer zu helfen. Sie begeben sich auf eine Jagd quer durch das von Zombies und den Horden besetzte europäische Festland – einer Original-Skizze von Leonardo Da Vinci hinterher, die das Ende all ihrer Sorgen bedeuten würde. Allerdings sind ihnen die Feinde dicht auf den Fersen…

Wie es sich im ersten Band der Reihe „Die Eiserne See“ von Meljean Brook (Egmont Lyx) schon andeutete, geht es in „Flammendes Herz“ um die Abenteuer des Schatzjägers Archimedes Fox und der Luftschiffkapitänin Yasmeen.
Als Paar sind Yasmeen, die immer rational agierende und Gefühle nicht zulassende Powerfrau, und Archimedes, der Charmeur mit der Silberzunge, teilweise sehr stereotyp unterwegs. Auch wenn ihre Beziehungsanbahnung reich an durchaus amüsanten Wendungen und definitiv heiß ist, nimmt man besonders Yasmeen ihre Entwicklung nicht immer ab. Aber auch Archimedes nervt ab und zu mit seinem liebestollen Gehabe. Im Gegensatz zu „Wilde Sehnsucht“ sind die Nebencharaktere, ausgenommen Archimedes’ Schwester Zenobia, nicht so fesselnd und eindrucksvoll, dass man mehr von ihnen wissen wollen würde.
Wie auch im Vorgänger schlagen sich die Helden durchs besetzte und gefährliche Europa, treffen in Bodeneinsätzen auf Zombies und mechanische Monster – vieles kommt einem daher beim Lesen bekannt vor, ist aber immer noch spannend und mit ein paar neuen kreativen Ideen gespickt. Besonders hervorzuheben ist dabei der Blick hinter die Kulissen der Horde und die politischen Entwicklungen. Da ist noch Luft für ein paar weitere Geschichten!

Fazit: Nicht so packend wie der Vorgänger, aber immer noch ein fluffig zu lesendes Steampunk-Roadmovie voller Action und richtig heißer Romantik. Wer auf solche Geschichten steht, der sollte sich wirklich die Bücher von Meljean Brook besorgen!

Bewertung: Gute 10/15 Punkten!!!

Verlag: Egmont Lyx
ISBN: 978-3-8025-8632-3

Direkt bei Amazon – oder beim Buchhändler des Vertrauens!