„Das vierte Siegel 1 & 2“ von Liane Sons

Camora, der Schwarze Fürst, überrennt mit seinen brutalen und mordgierigen Horden Reich für Reich.
Ihm entgegen stehen die Feuerreiter der unbeugsamen Königin Morwena und die drei Siegelerben, die laut einer Prophezeiung aus längst vergessenen Zeiten die Macht haben, die magische Quelle zum Versiegen zu bringen, deren schwarzes Wasser die Horde so mächtig macht.
Allerdings erscheinen die junge und eher an ihrem Äußeren als an ihren rudimentären magischen Fähigkeiten interessierte Nebelprinzessin Caitlin, der kampferprobte und mehr als nur leicht abgehalfterte Rhonan, letzter Nachfahre des von Camora ermordeten Großkönigs, sowie der weltfremde Wissenschaftler Gideon nicht gerade wie die prädestinierten Helden und Hoffnungsträger.
Während die ungleiche Gemeinschaft sich mit einigen Gefährten durch das eisige Gebirge kämpft und sich so mancher Verbündeter als Feind mit eigenen Plänen herausstellt, setzt auch Camora alles daran, die Siegelerben an der Erfüllung ihrer Aufgabe zu hindern und endlich Großkönig von da’Kandar zu werden…

„Das vierte Siegel“ von Liane Sons (Knaur eBook) ist ein abgeschlossener High Fantasy-Zweiteiler, der schon nach ganz kurzer Aufwärmphase ins Geschehen saugt und über die gesamte 900 Seiten-Distanz zu fesseln weiß – auch dank des flüssigen Stils und der in sich schlüssigen, schön beschriebenen Welt, die sie erschaffen hat.
Die vielen Haupt- und auch Nebenpersonen beider Seiten werden zu Beginn in kurzen Sequenzen und in ihrem jeweiligen Kontext eingeführt, was definitiv eine Herausforderung an den Leser darstellt. Allerdings erreicht es Liane Sons durch die laufenden Perspektivwechsel auch, dass man einfach nur wissen möchte, wie, wann und warum die einzelnen Fäden zusammen laufen. Wobei sie bis zum Schluss keine Möglichkeit auslässt, noch ein paar überraschende Wendungen einzubauen.

Die Charaktere, allen voran Rhonan, Juna und Derea, sind durch die Bank weg interessant und entwickeln sich im Laufe der Zeit glaubwürdig auf Grund ihrer Erfahrungen und Erlebnisse. Caitlin lässt zwar lange darauf warten, bringt aber durch ihre verquere Art ein ums andere Mal richtig zum Lachen. Und da es genügend weitere starke Frauenbilder gibt, verzeiht man Liane Sons diese egozentrische und doch warmherzige Mimose sehr gerne.
Das alles beherrschende Kriegsgeschehen geht einher mit einer hohen, realistischen Sterblichkeitsrate unter den Charakteren, die vor niemandem halt macht, und brutal-offenen Beschreibungen der Grausamkeit des Krieges, ohne die emotionalen Seiten wie Trauer, Angst, Hass und Liebe außer Acht zu lassen. Die Romantik nimmt im zweiten Teil einen sehr großen Raum ein (inklusive Taschentuch-Faktor) und verschiebt den Fokus ein wenig – das ist nicht schlimm, sollte man aber einkalkulieren.

Fazit: Man möchte nicht, dass das Buch endet, kann das Ende aber trotzdem nicht erwarten – ein spannender und emotionaler High-Fantasy-Zweiteiler mit überzeugenden Charakteren und einer tollen Grundidee, der von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.

Bewertung: Begeisterte 14/15 Punkten!!!

Verlag: Knaur eBook / neobooks
ASIN:
Teil 1: Das Schloss im ewigen Eis – B0076RGD10

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Teil 2: Die Zitadelle der Träume – B007FFDH5I

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„Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern

Wenn der mysteriöse Nachtzirkus seine Pforten öffnet, vergisst der Besucher Zeit und Raum – Magie, Zauberei und Artistik ziehen jeden in seinen Bann und machen die Aufführungen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Ein geheimnisvolles Erlebnis, denn man kann nie wissen, wo und wann es als nächstes stattfinden wird.

Hinter den Kulissen spielt sich jedoch mehr ab, als die gebannten Zuschauer erahnen können: Celia, eine wahre (Ver)Zauberin, lebt von klein auf mit der Gewissheit, der Wetteinsatz in einem wahnsinnigen Spiel unter Magiern zu sein. Allerdings kennt sie die Regeln nicht und auch der Gegner ist ihr zunächst unbekannt. Als sie dann Marco, den Spieler der Gegenseite, kennenlernt und sie sich ineinander verlieben, wird es für beide ungleich schwieriger zu gewinnen.
Denn nun erkennen sie, dass ihr Gewinn oder Verlust nicht nur über das Schicksal des jeweils anderen entscheidet, sondern auch der „Cirque des Rêves“ davon abhängt…

Nur selten erlebt man es, dass ein Buch innerhalb von nur wenigen Sätzen so intensive, alle Sinne ansprechende Bilder hervorruft wie „Der Nachtzirkus“ von Erin Morgenstern (Ullstein) – wobei es genau dadurch ein Buch ist, das man trotz des flüssigen Stils nicht einfach mal nebenbei lesen kann (und sollte!).

Lesen sich die Intros in die einzelnen Buchteile so, als würden sie auf einer Führung live erzählt, setzt Erin Morgenstern im laufenden Text auf detailreiche Beschreibungen des „Cirque des Rêves“, der einzelnen Zelte und der Künstler, spart aber auch die Beschreibungen der Kindheit von Celia und Marco nicht aus. Dabei formuliert sie durchweg so, dass man das Gefühl hat, selber eine alles erfassende Kamera durch das Geschehen zu führen, was durch die Nutzung des Präsens als Zeitform noch unterstrichen wird. Allerdings lässt diese Perspektive zwangsweise einen Blick auf die inneren Beweggründe und Gefühle der Charaktere vermissen.

Die Geschichte spielt auf mehreren Zeitebenen, wobei man zu Beginn zwar eine Idee hat, wo die Geschichte hingehen könnte, allerdings bis zuletzt nicht alle Informationen an der Hand hat und die Verbindung der einzelnen Handlungsstränge sehr gekonnt erfolgt. Einzig die Spannung leidet manchmal unter der wahren Flut an Bildern, denn zwischendurch kommt die Geschichte nicht so recht voran. Auch die Liebesgeschichte von Celia und Marco bzw. ihr Beziehungsaufbau steht immer im Schatten des wahren Protagonisten – des magischen Zirkus.

Fazit: Man kann ihn hören, riechen, fühlen – „Der Nachtzirkus“ ist eine bildgewaltige, magische Geschichte, die mit verschiedenen Handlungssträngen und Zeitebenen arbeitet, bei all den Beschreibungen aber ab und zu ein wenig langatmig wird.

Bewertung: Magische 14/15 Punkten!!!

Verlag: Ullstein
ISBN: 978-3550088742

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„Zwölf Wasser – Zu den Anfängen“ von E.L. Greiff

Die Hohen Frauen der Undae haben eine Vision – etwas geht vor! Denn mit dem schwindenden Wasser wird sich auch der Lauf der Geschehnisse des Kontinentes verändern.
So machen sich drei von ihnen auf, ihrer Bestimmung zu folgen und die zwölf Quellen aufzusuchen, um Anfang und Ende zu vereinen und so das Gleichgewicht wieder herzustellen, das die Menschlichkeit in der Welt erhalten soll.
Begleitet werden sie auf dieser Reise durch das Land von drei Kriegern aus Welsien, dessen schwindendes, durch Parm bezwungenes Volk im eisigen Gebirge leben muss. Sie dienen nicht nur zum Schutz je einer Unda, sondern werden auf der Reise mit sich selber und ihren Ängsten konfrontiert.
Und da ist noch Babu, der Sohn des Friedens und Neffe des Thon. Ein Hirte, der überraschend zum Jäger auserkoren wird und mit seinem zweiten Herz, dem Falken Juhut, fliehen muss, als er eine lang zurück liegende Intrige aufdeckt. Er sinnt eigentlich nur auf Rache und hat doch einen ganz eigenen Platz in der Vision der Hohen Frauen…

„Zwölf Wasser – Zu den Anfängen“ von E.L. Greiff (dtv) ist der erste Band einer… na? Genau, einer Trilogie! Und bringt mit 600 Seiten zum Auftakt ordentlich Stoff mit. Man merkt, dass es hier zunächst um die Einführung der Personen und die Erklärung der Welt geht, in der die Geschichte spielt.
E.L. Greiff gibt diesen Einführungen viel Raum, arbeitet mit ausführlichen, wunderbaren Beschreibungen der Landschaften und Städte. Allerdings nimmt sie dadurch auch Spannung raus und erst ab ungefähr der Hälfte des Buches kommt die Geschichte dann in Fahrt. Die magischen Idee der zwölf Quellen, die die Menschen nicht nur mit Wasser sondern auch mit ihren positiven menschlichen Eigenschaften versehen, sowie die böse dämonische Macht im wölfischen Gewand werden nebenher eingebunden und lassen erst im Laufe des Buches ihre wahre und tiefgreifende Bedeutung erkennen.

Auch die Protagonisten, allen voran Felt, Babu und Reva, haben viel Raum sich zu entwickeln und bleiben dabei immer bei sich selbst und dadurch glaubwürdig. Greiff spinnt um sie ein komplexes Netz aus stückchenweise gegebenen Informationen und Zusammenhängen, das sich wohl erst im Laufe der nächsten Bände wirklich vollständig darstellen wird.

Fazit: High Fantasy mit einer langen Anlaufzeit – für den wirklich gut geschriebenen Auftaktband dieser Trilogie braucht man ein wenig Geduld und den Willen, sich auf viel interessantes „Drumherum“ und intensive Auseinandersetzungen mit den Personen einzulassen. Dann kann er wirklich mitnehmen in eine andere Welt.

Bewertung: Gute 10/15 Punkten!!!

Verlag: dtv
ISBN: 978-3-423-24914-0

„Des Nachts – Eine Tragödie (#1 Der Jäger)“ von Michael Stadelmann

Während der Jäger eines der blutrünstigen Wesen der Nacht fängt und dem Sonnenlicht aussetzt, brechen die anderen über das Dorf hinein, das er eigentlich schützen soll.
Er kommt zu spät, um die Waisen zu retten und der Orden, der die Herrschaft über das Dorf hat und dem er unterstellt ist, gibt ihm die Schuld. Er beschließt Rache zu nehmen und den EINEN zu jagen.
Allerdings hat der Jäger keine Ahnung, wem er sich wirklich in den Weg stellt….

„Des Nachts – Eine Tragödie (#1 Der Jäger) hat nichts gemein mit aktueller Vampir-Literatur – hier gibt es keine Glimmer-Boys und kuschelige Teenie-Liebeleien, sondern eine Horde blutrünstiger, nachtaktiver Wesen, die nur durch Sonnenlicht zu töten sind, einen mysteriösen Orden und den Jäger samt Liebster.
Michael Stadelmann hält sich dabei nicht lange mit Personen- und Ortsbeschreibungen auf, sondern lässt seine Geschichte eher über Dialoge und Gedanken seines Jägers entstehen. Dabei bedient er sich der Sprache alter Dramen, was eine wirklich innovative Art ist mit dem fast schon ausgelutschten Vampir-Thema umzugehen.
Das klappt nicht immer hundertprozentig, manche Formulierungen wirken einfach zu gestelzt, andere zu modern. Aber er hat einige richtig flotte Sequenzen dabei, die zeigen, wie gut Michael Stadelmann mit Sprache umgehen kann und wie viel Spaß er selber an der Sache hat – und die machen wirklich Lust auf die Teile 2 bis 4!

Fazit: Mal ganz was anderes – kurz, knapp, knackig! Sprachlich und stilistisch ist es definitiv noch ausbaufähig. Allerdings gibt es einen Sonderbonus für die fesselnde Idee, eine Vampirgeschichte als klassisches Drama zu präsentieren.

Bewertung: Kreative 8/15 Punkten!!!

Verlag: Michael Stadelmann
ASIN: B007ZIU1OU

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Der Autor

Name:  Michael Stadelmann
Alter: 27
Wohnort:  Fürth
Berufliches Standbein:
Ich arbeite schon ziemlich lange Vollzeit an einer Tankstelle, schlage aber gerade einen neuen Weg ein, um mich weiterzubilden…

Warum gerade Fantasy?
Generell schreibe ich nicht nur im Fantasy-Sektor. Ich erzähle einfach gerne dramatische Geschichten, weil die in der Regel besser hängen bleiben, als solche, bei denen alles gut ist.
„Des Nachts“ bewegt sich im Fantasy-Bereich, weil man in ebendiesem mehr Freiheiten hat. Ich hätte es auch ohne diesen Fantasy-Aspekt („Nachtwandler“ im Volksmund „Vampire“) schreiben können, aber das hätte die Geschichte verunstaltet. Ich wollte eine bestimmte Situation im abschließenden 4. Teil („Erlösung“) drin haben, was als durchweg realistische Geschichte nicht funktioniert hätte.

Das „3×3“-Kurzinterview

Drei Bücher, die dich geprägt haben bzw. die man gelesen haben sollte:
Danielle Steel – „Das Geschenk“
Johann Wolfgang von Goethe – „Faust“
Max Frisch – „Andorra“

Drei Dinge, die für dich zum Schreiben unbedingt notwendig sind:
Inspiration (die gibt’s überall), Ruhe (die leider nicht) und mein Laptop

Drei Menschen, die du gerne einmal treffen würdest:
Emma Watson, Till Lindemann (Der Rammstein-Sänger) und Eluveitie (Sorry, aber da geht nur die gesamte Band!)

Homepage/Autorenseite bei FB:

www.facebook.com/MSTofficial

http://www.amazon.de/Michael-Stadelmann/e/B007XLT366/ref=ntt_dp_epwbk_0

Vielen Dank für deine Teilnahme an MW-Spezial!