„Grave Mercy – Die Novizin des Todes“ von Robin LaFevers

Ismae überlebte im Mutterleib den Versuch ihrer Mutter sie abzutreiben und wurde so eine „Tochter des Todes“ – auf ewig gezeichnet, ausgestoßen und misshandelt.
Auf der Flucht vor ihrer Zwangsheirat gelangt sie zur Schwesternschaft des Heiligen Mortain und wird als Novizin aufgenommen. Nach Jahren der Ausbildung in der Herstellung von Giften und im Töten von Menschen, die ihr Gott Mortain entsprechend gekennzeichnet hat, wird sie auf ihren ersten Auftrag geschickt.
Die ungekrönte, blutjunge Herzogin Anne soll verheiratet werden und die Franzosen wittern endlich eine Chance, die unabhängige Bretagne zu übernehmen. Ismae wird aufgetragen, als angebliche Mätresse deren Bastard-Bruder Gavriel Duval und den Kanzler Crunard an den Hof zu begleiten, um Anne zu schützen und mögliche Verräter aufzuspüren und aus dem Weg zu räumen.
Schon bald entspinnt sich ein Netz von Intrigen, die Ismae zu entwirren versucht. Mordanschläge werden verübt, Freund und Feind sind nicht mehr auszumachen – Ismae muss erkennen, dass neben den verwirrenden Gefühlen für Duval auch ihre eigene Bestimmung nicht so klar ist, wie ihr ihre Äbtissin immer glauben machte…

Nach einem recht drögen Beginn entwickelt „Grave Mercy – Die Novizin des Todes“ (cbj) erst nach gut 100 Seiten eine mitreißende Spannung, die dann aber bis zum Schluss anhält.
Allerdings sollte man sich nicht täuschen: Der Fantasy-Anteil, den Robin LaFevers einbaut, ist recht gering, insgesamt nehmen die politischen Intrigen an einem mittelalterlichen Hof den größeren Raum ein. Die werden dafür immer nur häppchenweise enthüllt, es gibt viele Sackgassen und erst ganz zum Schluss wird der wirkliche Hintergrund von allem deutlich.
Die „Töchter des Todes“, ihre tödlichen Gaben, die ihnen von Mortain verliehen wurden und somit ihr Status als eine Art Auftragskillerinnen in göttlicher Mission werden dagegen eher punktuell, aber immer passend eingebaut.

Im Vordergrund steht die Ich-Erzählerin Ismae, die sich durch das Kloster errettet fühlt und die Absichten ihrer Äbtissin und ihres Heiligen nicht in Frage stellt, bis Ereignisse in der wirklichen Welt und die Entwicklung von ihrem Auftrag widersprechenden Gefühlen ganz neue Denkprozesse in Gang setzen. Ihre nüchterne, gefühlsarme (weil nie gelernte) Art ihre Umgebung wahrzunehmen und zu beschreiben muss man mögen, dann kann man sich durchaus mit der jungen Frau identifizieren und mit ihr mitfiebern. Und so ist auch die eingebaute Liebesgeschichte eher leise, mit einem überzeugenden, kitschfreien und trotzdem schönen Ende.

Fazit: Mehr mittelalterlicher Polit-Krimi als Fantasy-Roman, der nach längerer Einfindungsphase dann aber doch bis zum Schluss spannend bleibt und mit einer kühlen, vom Schicksal mit einer dunklen, gefährlichen Gabe versehenen Protagonistin besticht, die auf der Suche nach ihrer wahren Bestimmung ist.

Bewertung: Gut unterhaltende 10/15 Punkten!!!

Verlag: cbj
ISBN: 978-3-570-40156-9

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