Er ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik und sein Bild flimmert ununterbrochen über die großen, öffentlichen Bildschirme von Los Angeles, wenn er sich mal wieder gegen das Regime stellt.
Sie ist das Wunderkind der Nation. Ihre brillante Intelligenz, gepaart mit einem leichten Hang zur Grenzüberschreitung aus Langeweile, verschafft ihr schon mit 15 Jahren einen Platz in der Polizei-Staffel.
Day und June sollten sich nie über den Weg laufen, dann aber stirbt ihr Bruder Metias bei einem Polizei-Einsatz – durch ein Messer von Day.
June schwört Rache und meldet sich für einen riskanten Einsatz: Sie begibt sich getarnt in die Slums, um Day zu suchen und an das Regime zu übergeben. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, dass der Mörder ihres Bruders sie ihr eigenes Weltbild und ihre Einschätzung von Richtig und Falsch hinterfragen lässt.
Denn nicht alles in der Republik ist so wie es scheint – und manchmal ist der Feind plötzlich vertrauenserweckender als die Menschen, die einen das ganze Leben begleitet haben…
Ein wenig erinnern Day und June, die beiden jugendlichen Protagonisten im ersten Band der „Legend“-Trilogie von Marie Lu (Loewe) an jüngere Ausgaben von Sherlock Holmes und Moriarty (nimmt man seinen genialen Plänen mal die Boshaftigkeit), die man in einem dystopischen Szenario ausgesetzt hat. Ihre Schlussfolgerungen anhand von Beobachtungen, ihre Planungen und nicht zuletzt ihre Schlagabtausche sind faszinierend und unterhaltsam – und vor allem ebenbürtig, eine nette Abwechslung im All-Age-Bereich. Gleichzeitig sind beide sehr anziehende, vielschichtige Persönlichkeiten, wobei June erwartungsgemäß mehr Entwicklungen zu durchlaufen hat. Beide fühlen sich in diesem ersten Band zwar voneinander angezogen, allerdings ist hier nicht direkt die Rede von der ganz großen Liebe, was auch unglaubwürdig wäre, und die Taschentücher braucht man eher für die Tragödien im familiären Umfeld. Dies wird sich aber bestimmt im Laufe der Trilogie noch ändern, die Ansätze sind auf jeden Fall vorhanden.
Die Hintergründe der Lebenswelt von Day und June werden nur Stück für Stück und irgendwie nebenbei enthüllt, da muss man für die Fakten gut aufpassen und viele Dinge bleiben in diesem ersten Band glücklicherweise noch verborgen. Marie Lu baut sowohl durch die kapitelweisen Perspektivwechsel zwischen Day und June, die intensive Einblicke in des Erleben, Fühlen und vor allem Denken des jeweiligen Ich-Erzählers erlauben, als auch zeitlich knappen Abläufe direkt eine Spannung auf, die einen bis zur letzten Seite nicht loslässt.
Fazit: Der erste Band dieser dystopischen Trilogie hat alles, woran es in letzter Zeit bei einigen Dystopien mangelte – eine von der ersten bis zur letzten Seite rasante Story, realistische und nicht so überzogene Grausamkeit und Brutalität, zwei großartige Protagonisten mit Herz und Heulfaktor und nicht zuletzt sind noch genügend Geheimnisse und Fieslinge für zwei Bände übrig. LESEN!!!
Bewertung: Eingesogene 15/15 Punkten!!!
Verlag: Loewe
ISBN: 978-3-7855-7394-5