Tara trägt ein großes Erbe in sich, mit dem sie seit ihrer Geburt zu kämpfen hat: Laut der Prophezeiung ihrer Großmutter soll in ihrem Blut-Mix die Macht liegen, den gefallenen Engel Lilith zu befreien und die Nachtwesen zu den Beherrschern de Erde zu machen. So weit, so schlecht – denn Freunde macht man sich damit nicht und daher ist sie mit ihren Eltern seit Kindertagen meist auf der Flucht. Als ihre eigentlich auf dem Scheiterhaufen verbrannte Großmutter wieder auftaucht und ihre Eltern entführt werden, weiß Tara, dass der Moment der Entscheidung gekommen ist.
Sie wird von dem Halbdämon Sky aufgegabelt, der sie in die Welt der magischen Wesen einführt und sich gemeinsam mit ihr, dem Werwolf Taylor und dem Menschen Danny auf die Suche nach einem Ausweg macht.
Es beginnt eine Hetzjagd quer durch Europa, auf der die vier von den Bluthunden der Nox, des großen Rates, gnadenlos verfolgt werden, einige Personen mit gezinkten Karten spielen und Tara alles daran setzt, die Erfüllung der Prophezeiung und den Untergang der Welt zu verhindern…
„Nox – Das Erbe der Nacht“ von Michael Borlik (Thienemann) ist ein All-Age-Fantasy-„Roadmovie“, das sich nicht an das angesagte Schema anpasst und paranormale Wesen romantisiert, sondern herrlich düster und emotional eher zurückhaltend daher kommt.
Der Fokus liegt auf dem zerbrechlichen Frieden zwischen den Wesen der Nacht und den Menschen, der vom Rat der Nox überwacht und von einigen zwielichtigen Figuren in Gefahr gebracht wird, die so die Weltherrschaft an sich reißen wollen (was auch sonst?). Es gibt zwar eine Liebesgeschichte, aber sie ist eher verhalten integriert und steht nicht kitschig überladen im Vordergrund, ebenso wie die kleinschrittige und dadurch sehr realistische Entwicklung der Protagonisten.
Besonders faszinierend ist die Geschichte der Entstehung der Nachtwesen, die von Michael Borlik dunkel und sehr märchenhaft beschrieben wird, der fesselnde Mix mit modernen Gegebenheiten (inklusive Gentechnologie) lässt beim Lesen ebenfalls am Ball bleiben. Durch auch optisch abgegrenzte Perspektivwechsel zu den Fieslingen gelingt es Michael Borlik, die Spannung stetig zu steigern, ohne dabei zu viel zu verraten.
Die überraschendste Idee ist die Bedeutung Roms für die Handlung – wir haben doch schon immer geahnt, wo die Wurzel allen Übels liegt…
Fazit: All-Age-Fantasy mit einem bunten Sammelsurium an düsteren, paranormalen Wesen, kühl aufgebauter Spannung mit einigen überraschenden Wendungen bis zum fesselnden Showdown und ein wenig Herz ist auch dabei – definitiv lesenswert!
Bewertung: Glitzerfreie 13/15 Punkten!!!
Verlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-20115-5
[...] von Sandra von Magische Welten. [...]