„Bin ich selbstlos, wahrheitsliebend, friedfertig, wissbegierig oder furchtlos?“ Diese Frage stellt sich jedem Jugendlichen in der Stadt im Alter von 16 Jahren, denn dann muss er sich festlegen, ob er bei seiner leiblichen Familie bleibt oder ein anderes Leben in einer anderen Fraktion für sich wählt.
Auch Beatrice muss sich entscheiden – und sollte sich sicher sein, denn diese eine Wahl entscheidet über das gesamte Leben. Sie sagt sich los von ihrer Familie, die zu den selbstlosen Altruan gehört und schließt sich den furchtlosen Ferox an, die mit ihrem Mut die Stadt beschützen.
Während sie sich den brutalen Initiationsriten ihrer neuen Familie stellen muss, um überhaupt aufgenommen zu werden, entdeckt sie immer neue, aufregende und auch verstörende Facetten an sich. Facetten, die sie das Leben kosten können und gefährliche Feinde auf den Plan rufen.
Denn Tris ist eine Unbestimmte – eine derer, die nicht existieren dürften, um das mehr als fragile System der Stadt nicht zu unterwandern.
„Die Bestimmung“ von Veronica Roth (cbt) ist der erste Band einer (welch Überraschung!) Trilogie. Diese All-Age-Dystopie ist von der ersten bis zur letzten Seite spannend und mitreißend geschrieben, die gewalttätigen Übergriffe werden allerdings sehr drastisch beschrieben. Ob das in dem Umfang sein muss in einem Buch für Jugendliche, auch wenn dadurch die psychologischen Abläufe und Auswirkungen der Initiationsriten deutlich werden, ist fraglich. Die Handlung ist in sich stimmig, die Spannung steigt langsam an und es gibt bis zum Schluss immer wieder die ein oder andere Entdeckung zu machen, die nicht direkt vorhersehbar ist.
Tris ist als junges Mädchen auf dem Weg zu sich selbst immer glaubwürdig in ihrer Entwicklung – sie geht ihren Weg stetig, mal langsam, mal sprunghaft und mutiert nicht plötzlich zur Superheldin. Auch die Beziehung zu Four entwickelt sich langsam und altersgemäß. Generell ist es die Balance zwischen den konformistischen Persönlichkeitszuschreibungen der Fraktionen, die enormen Gruppenzwang erzeugen, und den Anzeichen von Individualität bei den einzelnen Figuren, die Spannung und überraschende Momente erzeugt. Allerdings sind die „Bösen“ im Gegensatz zu allen anderen dann doch arg eindimensional unterwegs…
Fazit: Eine All-Age-Dystopie, die eine psychologische Idee in den Vordergrund stellt – ist es möglich, dass ein Mensch durch einen Charakterzug so geprägt ist, dass er keinen anderen mehr wirklich leben kann oder muss und auch nur noch mit gleich tickenden Menschen zusammen sein mag? Eine richtig spannende, nachdenklich stimmende, aber auch arg brutale Geschichte über extremes Schubladen-Denken. Da kann man sich auf Band 2 nur freuen…
Bewertung: Mitreißende 13/15 Punkten!!!
Verlag: cbt
ISBN: 978-3-570-16131-9
Auch dieses Buch liegt neu auf meinem SuB. Nach deiner Rezension zu urteilen habe ich mit dem Kauf alles richtig gemacht.
LG
Yvonne
Dann bin ich gespannt, wie du es findest