„Das ewige Empire 1 – Bookman“ von Lavie Tidhar

Der Bookman schlägt wieder zu und dieses Mal hat der gefährlichste Terrorist Londons Orphan’s Verlobte Lucy auf dem Gewissen.
Als weder Premierminister Moriarty noch Irene Adler, die Inspektorin von Scotland Yard, dem Terror ein Ende machen können, hat der junge Dichter ohne Vergangenheit nur noch zwei Alternativen: Selber Rache am Bookman üben oder Lucy aus dem Reich der Toten zurückholen. Gerne auch in Kombination.
Der Bookman hat jedoch ganz eigene Pläne – denn nach jahrhundertelanger Herrschaft durch die Les Lézards soll endlich das Ende des Ewigen Empire und der königlichen Familie eingeläutet werden. Er hasst die mächtigen Echsen abgrundtief und will sie mit seinen Waffen, den Büchern, besiegen.
Orphan macht sich auf die Jagd nach dem Verbrecher und schlägt sich durch die Londoner Unterwelt, setzt sich mit Automaten auseinander und macht sich auf die Suche nach der verborgenen Insel, um endlich das Geheimnis des Bookman zu lüften.
Aber der Bookman wäre nicht der Bookman, wenn er nicht noch mehrere Asse im Ärmel hätte – und plötzlich ist nichts mehr so, wie es scheint…

„Das ewige Empire 1 – Bookman“ von Lavie Tidhar (Piper) hat eine gewaltige Grundlage: Die Literatur im Allgemeinen und Besonderen.
Diese Flut an literarischen und realen Figuren in völlig neuen Kontexten, Zitate aus Klassikern der Fantasy- und Kriminal-Literatur und modernen Filmen (u.a. Gray’s Anatomie-Abteilung), die neu zusammengesetzt und interpretiert werden – ein Literatur-”Einsteiger” hat es vielleicht sogar leichter, weil er nicht an jeder Ecke über etwas stolpert und schier überwältigt wird, aber ihm entgeht dadurch auch vieles.
Lavie Tidhar versteht sich dabei auf eine Sprache, die malerisch ist und alle Sinne anspricht, er kombiniert märchenhafte Erzählweisen ohne Scheu und innovativ mit Scifi- und Steampunk-Elementen.
Dies ist für die Geschichte Segen und Fluch zugleich. Denn oft genug hat man den Eindruck, seine Erzählfreude und die Menge an Informationen verhindern den Spannungsaufbau. Oder die Geschichte ist plötzlich so neben der Spur, dass man erst abwarten muss, ob es eine neue geben wird, was dann gestückelt wirkt.
Trotzdem begleitet man den zerrissenen, leicht naiven und doch mutigen Orphan gerne auf seiner klassischen Heldenreise von Abenteuer zu Abenteuer, auf der er Lucy sucht, aber sich selber finden muss.

Fazit: Faszinierende Steampunk-Orgie mit unglaublich bildgewaltiger Sprache, die gerade deshalb stellenweise ein wenig erschlägt und sich selbst die Luft abschnürt. Insgesamt eine Wundertüte an liebevollen, ausgefallenen, wahnsinnigen Details, Zitaten und Figuren, die den Kopf eine Runde schwirren lässt.

Bewertung: Beeindruckte 12/15 Punkten!!!

Verlag: Piper
ISBN: 978-3-492-70242-3

„Feuer & Glas – Der Pakt“ von Brigitte Riebe

Fünf Jahre wartet Milla jetzt schon darauf, dass ihr Vater, der Feuerkopf Leandro, wiederkehrt – auch in diesem Jahr taucht der Glasbläser nicht auf und Milla muss sich weiterhin mit ihrer Mutter und ihrer Tante fernab von Murano über Wasser halten.
Dann trifft sie auf zwei junge Männer: Den rothaarigen Marco, genau wie sie einer der Feuerleute, der in den Diensten des Admirals steht und Milla aus undurchsichtigen Gründen nachstellt. Und sie trifft Luca, den dunklen Gondoliere mit der blauen Aura, die nur Milla zu sehen scheint und der zu den Wasserleuten gehört, die mit den Feuerleuten im Konflikt stehen – was er sie bei jedem Treffen spüren lässt.
Während sich Venedig auf den unausweichlichen Krieg vorbereitet, macht sich Milla daran, die Geheimnisse um das Verschwinden Leandros zu lüften. Ein gefährliches Unterfangen, denn ihr Vater hat ihr einen Gegenstand vermacht, von dem die Zukunft Venedigs abhängt und beide Seiten möchten ihn unbedingt in die Finger bekommen.
Wem kann Milla noch vertrauen und muss sie sich wirklich für eine Seite entscheiden?

Man merkt „Feuer & Glas – Der Pakt“ (Heyne) an, dass Brigitte Riebe in ihrem ersten Leben Historikerin war: Ihre Liebe zur Geschichte zeigt sich in jeder Beschreibung Venedigs, seiner Bewohner und ihrem Alltag und nicht zuletzt im Anhang, der die historische Einbindung ihres Romans beleuchtet.
Geschickt verbindet sie die Zünfte der Glasbläser und der Bootsbauer mit einem magischen Funken, der genau das richtige Maß an für diesen Roman glaubwürdigen Fantasy-Elementen bietet und eine geheimnisvolle Spannung aufrecht erhält.
Brigitte Rieber erzählt die Geschichte grundsätzlich aus Sicht Millas, wechselt jedoch zwischendurch in die Perspektive von Marco und in die des fiesen Salvatore, was dem Leser zu mehr Informationen verhilft, man jedoch der Protagonistin einige Schritte voraus ist, was sich nicht so stimmig anfühlt. Zudem wirken manche szenische Übergänge so, als würde dazwischen etwas fehlen und die Autorin habe sich schnell durch die Geschichte arbeiten wollen.
Genauso abrupt wirken manche Entwicklungen bei den Charakteren und sind daher nicht immer glaubwürdig: Luca bleibt bei aller Aura recht blass und wenig greifbar und auch Milla entwickelt plötzlich Gefühle und Ansichten, die als Leser nicht immer nachvollziehbar sind. Einzig Marco kann als Charakter voll überzeugen und mit ihm fiebert man richtig mit.

Fazit: Ein gelungener Jugend-Fantasy-Roman vor der historischen Kulisse Venedigs – mit einer Fülle spannender Geheimnisse und Abenteuer rund um die Glasbläserzunft auf Murano, leider manchmal ein wenig hektisch mit nicht immer ganz überzeugenden Charakteren. Da wartet man gerne auf die Fortsetzung dieses Zweiteilers!

Bewertung: Ordentliche 10/15 Punkten!!!

Verlag: Heyne
ISBN: 978-3453267381

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„Oneiros – Tödlicher Fluch“ von Markus Heitz

Ein Flugzeug rast in den Pariser Flughafen und mehrere hundert Menschen lassen dabei ihr Leben – allerdings waren sie schon vor dem Aufprall tot.
Währenddessen führt in Minsk eine Wissenschaftlerin Experimente an Menschen durch, die sämtlichen ethischen Grundsätzen widersprechen – jedoch nur an speziell ausgesuchten Menschen, die sie überall auf der Welt zusammen sucht.
Und in Leipzig wird Konstantin Korff, ein begnadeter Thanatologe, mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Eigentlich soll er nur die Leiche eines der Unfall-Opfer in Paris wieder herrichten, als er von seinen ehemaligen Kollegen beim britischen Geheimdienst hinzugezogen wird.
Schnell entwickeln sich die Ermittlungen in diesem Fall zu einer mörderisch gefährlichen Jagd rund um den Globus und einem Wettlauf gegen die Zeit – denn es gab einen Überlebenden in Paris und er trägt einen tödlichen Fluch in sich, der jederzeit ausbrechen kann…

„Oneiros – Tödlicher Fluch“ von Markus Heitz (Knaur) ist das neueste Werk des auf Fantasy-Romane spezialisierten Autors.
Dieser Mystery-Thriller hat ein großes Problem: Er ist nicht wirklich spannend! Die große Anzahl an für die Handlung wichtigen Personen und die dauernden Perspektiv- und Ortswechsel, die manchmal in ihrer Chronologie nicht logisch erscheinen, sorgen in diesem Roman nicht für eine mitreißende Spannung, sondern mit den regelmäßigen Abbrüchen in spannenden Momenten irgendwann für Unmut, weil Markus Heitz dieses Stilmittel überreizt. Erst nach gut 2/3 entwickelt sich ein gewisser Fluss, wobei einige Wendungen durchaus vorhersehbar sind und sich von den richtig schön blutig beschriebenen medizinischen Szenen bzw. den Kampfszenen mal abgesehen auch der Gruselfaktor einfach nicht einstellen will. Gut gelungen ist allerdings die Einbindung der klassischen Märchen und der Zitate zum Thema Tod, die die entsprechenden Entwicklungen des Romans unterstreichen.

Die Personen sind durchweg wenig greifbar bis hin zu richtig unsympathisch – allen voran Konstantin Korff, eine emotional unterentwickelte, dauer-erigierte Kampfmaschine. Man kann die Beweggründe der Charaktere zwar verstehen, allerdings entwickelt man wenig Gefühl für sie. Sie wirken nicht menschlich, obwohl Markus Heitz sie in ihren positiven und negativen Charakter-Eigenschaften beschreibt und darum fiebert man nicht mit ihnen mit. Zudem wirken manchen Handlungen einfach unglaubwürdig, Erfindungen und Lösungsvorschläge arg aufgesetzt – und warum man bei all den mystischen Geheimbünden etc. auch noch Guerillas, irische Terroristen und die russische Mafia ins Spiel bringen muss, ist ein Rätsel.

Fazit: James Bond trifft die Gebrüder Grimm – ein Mystery-Thriller, der erst nach gut 2/3 eine gewisse Spannung aufrecht halten kann und bei einem etwas chaotischen Aufbau und wenig sympathischen Figuren zumindest durch detailliert beschriebene Splatter-Szenen und ein paar tolle Märchen und Zitate zum Todes-Thema punkten kann. Schade um die außergewöhnliche Idee.

Bewertung: Durchwachsene 6/15 Punkten!!!

Verlag: Knaur
ISBN: 978-3-426-50590-8

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„Das Geheimnis von Ashton Place 1“ – Maryrose Wood

Miss Penelope Lumley, 15jährige Absolventin des „Swanburne-Institut für kluge Mädchen aus armen Verhältnissen“, tritt voller Optimismus und ein wenig naiv ihre erste Stelle als Gouvernante an.
Denn kaum in Ashton Place angekommen, werden die meisten ihrer Vorstellungen zunichte gemacht: Die drei zu erziehenden Kinder leben im alten Pferdestall, da sie im Wald gefunden wurden und sich wie kleine Wölfe benehmen. Während die verwöhnte Lady Ashton die Kinder lieber heute als morgen ins Waisenhaus geben würde und schwer um ihren gute Ruf besorgt ist, hat Lord Ashton auf die ganze Sache nur eine einzige recht seltsame Antwort: „Was man findet, darf man behalten!“
Also macht sich Penelope an die Arbeit mit den durchaus liebenswürdigen und lernwilligen Kindern und wird dabei mehr als einmal vor schier unüberwindbar erscheinende Hindernisse gestellt. Denn irgendwer unterläuft ihre Bemühungen und versucht, die „Wolfskinder“ aus dem Ruder laufen zu lassen – und was denken sich die Herrschaften dabei, die Kinder unbedingt auf dem Weihnachtsball vorführen zu wollen? Da stimmt doch was nicht…

„Das Geheimnis von Ashton Place 1 – Aller Anfang ist wild“ von Maryrose Wood (Thienemann) ist der erste Band einer neuen Kinderbuch-Reihe rund um die Gouvernante Penelope und ihre drei Schützlinge, die im nicht ganz koscheren Herrenhaus der Ashtons aufgenommen wurden.
Penelope ist in ihrer noch jugendlich-naiven Art und ihrem von ihrer Ausbildung in Swanburne geprägten Blick ein sehr ansprechender Charakter, der mehr als einmal an Grenzen herangeführt wird und sich altersangemessene Problemlösungen überlegt. Die Kinder bleiben leider eher eindimensional, man beobachtet zwar ihre Lernentwicklungen, die teilweise schon recht sprunghaft anmuten, aber ihre psychologischen Wege aus der Wildheit in die sozialen Normen werden nur wenig bzw. oberflächlich berücksichtigt.
Besonders gelungen ist die ironisch überspitzte Darstellung der Unterschiede zwischen den (ein)gebildeten Ashtons bzw. ihren Freunden und den wilden Kindern, wobei besonders Lord Ashton meiner Meinung nach noch für ein paar Wendungen gut sein wird und am Ende (leider) noch alle Geheimnisse im Dunkeln liegen.
Erzählt wird das Buch in einem märchenhaften und sehr flüssigen Stil in kindgerechter Sprache, mit dem Fokus auf Penelopes Erleben und Fühlen. Dabei wird der junge Leser regelmäßig direkt angesprochen, werden altmodische Begriffe oder Fremdwörter mit modernen Vergleichen erklärt und der Leser so mitten in die Geschichte gesogen.

Fazit: Humorvoll erzählter erster Band einer neuen Kinderbuch-Reihe, in der der Fantasy-Anteil bisher eher angedeutet wird. Dafür bietet es einen kindgerechten und durchaus gesellschaftskritischen Einblick in das Leben des 19. Jahrhunderts aus Sicht der Angestellten.

Bewertung: Gute 10/15 Punkten!!!

Verlag: Thienemann
ISBN: 978-3-522-18296-6

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